Armenien-Eklärung: Erdogan sieht „Fehltritt“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen US-Kollegen Joe Biden aufgefordert, die Einstufung der Massentötung von Armeniern vor mehr als 100 Jahren als Völkermord zurückzunehmen. Dieser „Fehltritt“ Bidens belaste die Beziehungen, erklärte Erdogan heute. Die USA sollten zudem „einen Blick in den Spiegel werfen“. Er gehe davon aus, beim NATO-Gipfel im Juni ein neues Kapitel mit Biden aufschlagen zu können, fügte Erdogan hinzu.

Biden habe über die „schmerzhaften Ereignisse“ während des Ersten Weltkriegs vor mehr als einem Jahrhundert „haltlose, ungerechtfertigte und wahrheitswidrige“ Aussagen gemacht, kritisierte Erdogan. Sie hätten keine rechtliche und historische Grundlage und hätten das türkische Volk betrübt.

„Zerstörerische Aussagen“

Erdogan warf den USA vor, Druck von armenischen und antitürkischen Interessengruppen nachgegeben zu haben. Das ändere aber nichts an der „zerstörerischen“ Auswirkung der Aussagen auf die türkisch-amerikanischen Beziehungen.

Es war die erste öffentliche Reaktion des türkischen Staatsoberhaupts seit Bidens Erklärung am Samstag. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte erklärt, die Entscheidung der USA basiere auf Populismus. Biden hatte in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung zum Gedenktag der Massaker am Samstag erklärt: „Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind.“