Mediziner füllt einen Impfpass aus
picturedesk.com/dpa/Christopher Neundorf
Geimpfte und Getestete

Offene Fragen zu Gleichstellung

In knapp drei Wochen soll bundesweit breit geöffnet werden. So mancher Erstgeimpfte war dieser Tage deshalb auch mit Rechenarbeit beschäftigt – schließlich könnte ab Tag 22 nach dem ersten Stich die Testfreiheit winken, ein entsprechender Erstimpfungsnachweis würde in dem Fall für den Besuch von Gastro und Events reichen. Fix ist das nicht, die letztlich tatsächlich gültige Regelung will der Nationalrat am Montag in einer Sondersitzung zu Lockerungen für Geimpfte beschließen.

Beschlossen werden soll konkret die Gleichstellung von Geimpften und Getesteten, nach dem Nationalrat wird diesmal auch der Bundesrat zustimmen, womit schon bei der Öffnung am 19. Mai die Impfung alternativ zur Testung und Genesung als Eintrittskarte gilt. Zuletzt hatte es ja in der Frage zu den geplanten Eintrittstests in den Handel eine Blockade gegeben, was auch die Gleichstellung von Geimpften mit Getesteten verzögerte (weil dieselbe Novelle).

Apropos 22 Tage: Diese Empfehlung spricht das Nationale Impfgremium (NIG) aus, und auf diese verweist das Gesundheitsministerium auf Anfrage zur kommenden Regelung. Ein „andauernder, stabiler Impfschutz“ sei erst nach der zweiten Dosis gegeben, doch könne „zwecks Praktikabilität und Umsetzbarkeit“ ab dem 22. Tag nach der ersten Dosis bei allen zugelassenen Impfstoffen mit einer Schutzwirkung gerechnet werden, heißt es.

Bald Impfstoff für alle?

Österreich soll in den kommenden Wochen sehr große Lieferungen an Impfstoff bekommen. Als erstes Bundesland prescht Niederösterreich vor und gibt, stufenweise, die Anmeldung für die Coronavirus-Schutzimpfung für alle Altersgruppen frei.

„Erleichterungen aus pragmatischen Gründen“

Deswegen könnten „Erleichterungen der Maßnahmen aus pragmatischen Gründen“ erfolgen – denn angenommen wird auch eine geringere Ansteckungsgefahr. Zwar sei „die Studienlage teils noch nicht letztgültig belegt“, so das Impfgremium, doch würden sich entsprechende Hinweise mehren. Vom Gesundheitsministerium heißt es, dass sich „die genauen Regelungen derzeit in Ausarbeitung“ befänden.

Corona-Teststraße in Wien
APA/Hans Punz
Erstgeimpfte können sich möglicherweise den Test drei Wochen nach dem Stich ersparen

Kann Testfreiheit auch wieder enden?

ÖVP und Grüne wollen am Montag jedenfalls erste rechtliche Bausteine für den „Grünen Pass“ auf Schiene bringen – per einfachen Nachweis starten soll dieser ja mit dem Öffnungstag, in seiner digitalen Form soll er erst im Juni kommen. Einige Fragen sind offen – etwa ob etwa die geplante Testfreiheit nach der ersten Impfung binnen eines bestimmten Zeitraums auch wieder enden könnte. SPÖ und NEOS befürchten falsche Signale an jene, die aufgrund der Testbefreiung vielleicht nicht mehr zur zweiten Impfung gehen.

Hacker gegen „Grünen Pass“ für Erstgeimpfte

Aus Wien kommt Ablehnung: So spricht sich Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gegen die Vergabe des „Grünen Passes“ schon nach der ersten Impfung aus. „Ich bin nicht sehr begeistert davon. Ich halt nichts von halb leeren oder halb vollen Gläsern. Einen wirklichen Impfschutz gibt’s erst dann, wenn man zweimal geimpft ist, und dann kann es auch die entsprechenden Regelungen geben“, sagte Hacker dem TV-Sender ATV.

Welche Regelung auch immer schlagend wird – jedenfalls Thema werden könnte das Spannungsfeld zwischen Geimpften und Nichtgeimpften. So gibt es Anlass zur Befürchtung, dass jene, die bereits geimpft sind, einem Sicherheitsgefühl unterliegen, das jene vor den Kopf stößt, die noch nicht immunisiert sind. Denn ein – wenn auch reduziertes Ansteckungsrisiko – ist noch vorhanden, wenn auch bei Erstgeimpften reduziert – mehr dazu in science.ORF.at.

Schutzwirkung mit Ablaufdatum

Auch die vollständige Immunisierung durch die zweite Teilimpfung hat mit sechs Monaten ein Ablaufdatum. Auch das kann sich freilich noch ändern, so fehlen derzeit noch ausreichend Erkenntnisse, wie lange die Schutzwirkung wirklich anhält. Die Dauer werde angepasst, sobald wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, heißt es vom Gesundheitsministerium. Derzeit gilt man ja ebenfalls für sechs Monate nach durchgemachter Krankheit als genesen.

Szekeres: Mit Anstieg der Zahlen zu rechnen

Dass man das aber individuell pro Patientin bzw. Patient beurteilen sollte, dafür sprach sich Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres am Freitag im Ö1-Morgenjournal aus. Mit dem Öffnen am 19. Mai könnte es jedenfalls zu einem weiteren Anstieg der Zahlen und der Belegung der Spitäler kommen, meinte er. Das hätten die Zahlen in Vorarlberg zuletzt klar gezeigt.

Erweiterte Testpflicht an Arbeitsorten kommt

Der Nationalrat wird kommende Woche nicht nur Geimpfte mit Getesteten gleichstellen, sondern auch eine erweiterte Testpflicht an Arbeitsorten einführen. Diese wird dort gelten, wo wegen der Art der Tätigkeit oder des physischen Kontakts zu anderen Personen die Gefahr einer wechselseitigen Ansteckung mit CoV besteht, etwa in Büros. Die Alternative des Tragens einer FFP2-Maske entfällt. Der Arbeitgeber muss den Test ermöglichen, entweder an Ort und Stelle oder extern.

Wie lange die jeweiligen Tests gültig sind, hat per Verordnung festgelegt zu werden. Als Orte, wo die Testpflicht vorgeschrieben werden kann, werden zum Beispiel Büros und auch Altersheime angeführt. Ausnahmen sind nun nicht nur aus physischen, sondern auch aus schwerwiegenden psychischen Gründen möglich. Als Beispiel sind Angstzustände angeführt. Zudem ist eine Altersgrenze von 16 eingezogen.