Rauch über Sydney
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Sydney

Gefährlicher Rauch durch kontrollierte Brände

Kontrollierte Brände der australischen Feuerwehr haben heute die Stadt Sydney in eine gefährliche Rauchwolke gehüllt. Wegen der hohen Luftverschmutzung wurde der Fährverkehr gestoppt, die Bevölkerung wurde aufgefordert, notfalls zu Hause zu bleiben.

Einige Gewerkschaften riefen Beschäftigte auf, bei zu starkem Rauch die Arbeit zu unterbrechen. Der Index für Luftqualität zählte mit einem Wert von mehr als 190 zu den schlechtesten weltweit. Die höchsten Alarmstufen wurden in den Vororten Chullora, Randwick, Earlwood und Lidcombe ausgerufen.

Der Rauch könne die Augen und Atemwege irritieren, so der Leiter der Gesundheitsbehörden von New South Wales, Richard Broome, gegenüber dem „Sydney Morning Herald“. Am häufigsten seien temporäre Symptome wie Husten und Halsweh. Die Rauchpartikel könnten aber auch Herz- und Lungenprobleme verschlimmern und bei Asthmatikern Symptome auslösen.

Rauch über Sydney
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Das Opernhaus in Sydney zeigt sich dieser Tage hinter einem Schleier aus Rauch

Wetterumschwung soll Besserung bringen

Die Behörden der größten australischen Stadt mussten einstweilen von weiteren kontrollierten Bränden Abstand nehmen, mit denen schlimmere Buschbrände in den Sommermonaten verhindert werden sollen. Nach Angaben der Feuerwehr waren leichter Wind und eine nächtliche Inversionswetterlage für den Rauch in tiefer liegenden Stadtteilen verantwortlich. Im Laufe des Tages sollte sich der Rauch verziehen, hieß es.

„Ideales Wetter“ für kontrollierte Brände

Man hätte mit den Bränden begonnen, weil die aktuell niedrigen Temperaturen rund um 20 Grad Celsius und die Windstille das „ideale Wetter“ für die Sicherheitsmaßnahmen seien, so Ben Shepard vom Feuerdepartement New South Wales. „Es ist eine wichtige Arbeit, die wir machen müssen – und das Wetter war in den vergangenen zwölf Monaten nie so ideal dafür wie aktuell.“ Es sei wichtig, dass die Gebiete, die bei den dramatischen Buschfeuern 2019 und 2020 verschont geblieben seien auch weiterhin geschützt würden.

Australien hatte in den letzten Monaten des Jahres 2019 und den ersten Monaten 2020 die schlimmsten Wald- und Buschbrände seiner Geschichte erlebt. Sie wüteten vor allem im Osten und Süden des Landes. Mehr als zehn Millionen Hektar Land und mehr als 3.000 Häuser wurden zerstört. 33 Menschen sowie schätzungsweise mehr als eine Milliarde Tiere kamen ums Leben.

Rauchwolke über Sydney
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Dichte Rauchwolken steigen vor allem in den Vororten der Stadt gut sichtbar in den Himmel

Brände stießen große Mengen Rauch in Stratosphäre aus

Einer israelischen Studie zufolge stieg bei den australischen Bränden 2019/2020 genauso viel Rauch in die Stratosphäre auf wie bei einem riesigen Vulkanausbruch. Dass Rauch von Waldbränden die zweite Schicht der Erdatmosphäre erreiche, sei äußerst ungewöhnlich und habe ernsthafte Auswirkungen auf die Umwelt, schreiben die Autoren in ihrer im März im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Studie.

Den Wissenschaftlern zufolge wanderte der Rauch zunächst von Australien weg in Richtung Osten – um sich dem Kontinent zwei Wochen später von der Westküste her zu nähern. Die Autoren nennen drei Ursachen für das höchst ungewöhnliche Phänomen: So seien die Waldbrände im Beobachtungszeitraum sehr intensiv gewesen. Auch seien sie in einer Region im Süden Australiens aufgetreten, in der die Entfernung zwischen Troposphäre – der untersten Schicht der Erdatmosphäre – kürzer ist als anderswo. Schließlich habe eine Rolle gespielt, dass sich die Waldbrände in der Nähe starker Winde ereignet hätten. Das habe dazu beigetragen, dass der Rauch in höhere Lagen der Atmosphäre gelangt sei.