Wahllokale in Großbritannien geschlossen

Nach einem langen Wahltag in Großbritannien haben gestern die Wahllokale ihre Türen geschlossen. In Schottland und Wales konnten die Wähler bis 22.00 Uhr (Ortszeit; 23.00 Uhr MESZ) über die künftige Zusammensetzung ihrer Regionalparlamente abstimmen. In England wurden neben Gemeinde- und Bezirksräten in vielen Städten auch neue Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bestimmt – unter anderem in der Hauptstadt London.

Da Berichte über Wahlkampfthemen und Umfragen in Großbritannien nicht veröffentlicht werden dürfen, solange die Wahllokale geöffnet sind, spielte das Thema gestern in den Medien praktisch keine Rolle. Stattdessen twitterten viele Menschen Fotos von ihren Hunden, die sie beim Wahlgang begleiteten.

Ergebnisse in Schottland erst am Samstag

Erste Ergebnisse werden heute Früh von der Nachwahl für einen Sitz im Unterhaus in der nordostenglischen Stadt Hartlepool erwartet. Der Ausgang wird als wichtiger Stimmungsmesser für den konservativen Premierminister Boris Johnson und Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour-Partei betrachtet. Der Norden Englands gilt traditionell eigentlich als Hochburg der Sozialdemokraten – gleichzeitig war dort aber die Zustimmung zum Brexit sehr hoch. Bei der vergangenen Parlamentswahl konnten Johnsons Konservative daher Labour viele Sitze abjagen. Würde nun auch Hartlepool erstmals seit Jahrzehnten in Tory-Hände fallen, wäre das eine herbe Niederlage für Starmer, der sich zum Ziel gesetzt hatte, den Trend umzukehren.

Für die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Parlamentswahl in Schottland müssen sich die Briten wohl noch bis morgen gedulden. Die regierende Schottische Nationalpartei SNP hofft dort auf eine absolute Mehrheit, um ihrer Forderung nach einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum Nachdruck zu verleihen. Für eine Volksabstimmung ist die Zustimmung der Zentralregierung in London notwendig. Premierminister Johnson lehnt das jedoch bisher ab.