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Reuters/Eric Gaillard
CNN, Batman, Dokus

Medienriese entsteht aus 43-Milliarden-Deal

Ein riesiger Deal hat am Montag eine neue „Mediensupermacht“ entstehen lassen. Der US-Telekomriese AT&T spaltet seine Sparte WarnerMedia ab und legt sie mit dem TV-Konzern Discovery zusammen – und erhält dafür rund 43 Milliarden Dollar (rund 35 Mrd. Euro). Zu Warner gehören Sender wie CNN, Serien wie „Game of Thrones“, und auch Batman ist Teil der Sparte. Nun soll der neue Gigant sich wohl gegen Netflix und Disney positionieren.

Die neue Firma soll von Discovery-Chef David Zaslav geführt werden. Das hatte zuvor schon das „Wall Street Journal“ berichtet – und betont, es sei unklar, ob der Chef von WarnerMedia, Jason Kilar, an Bord bleiben werde. Das blieb auch nach einer Pressekonferenz des Managements am Montag offen. Der Name der neuen Firma soll demnächst bekanntgegeben werden.

AT&T soll von dem Deal mit 43 Milliarden Dollar in bar, Aktien sowie durch Schuldenübernahmen profitieren, wie die Unternehmen mitteilten. Die Anteilseignerinnen und -eigner von AT&T sollen zudem eine Mehrheit von 71 Prozent an der neuen Firma bekommen.

Kurswechsel von AT&T

AT&T gibt mit dem Deal weitgehend seine Ambitionen auf, ein großer Player im Mediengeschäft zu sein, nachdem dafür in den vergangenen Jahren viele Milliarden Dollar ausgegeben wurden. AT&T hatte für WarnerMedia im Jahr 2018 mehr als 80 Milliarden Dollar bezahlt – und sich dafür hoch verschuldet. Unterdessen muss der Konzern stark in den Ausbau seiner 5G-Mobilfunknetze investieren.

Mit dem Deal um WarnerMedia leitet AT&T-Chef John Stankey binnen weniger Monate schon beim zweiten Riesenzukauf seines Vorgängers Randall Stevenson den Rückzug ein. Zuvor hatte er einen Anteil von 30 Prozent am Satelliten-Spezialisten DirecTV verkauft, für den AT&T einst fast 50 Milliarden Dollar bezahlt hatte.

Kräftebündelung für das Streaminggeschäft

Der nunmehrige Deal ist wohl der nächste große Schritt, um Kräfte auf dem umkämpften Streamingmarkt zu konsolidieren. Das TV- und Filmgeschäft befindet sich gerade in einem tiefgreifenden Wandel, der von der Coronavirus-Pandemie noch einmal beschleunigt wurde. WarnerMedia versucht aktuell, auf den Zug mit dem Streaming-Angebot HBO Max aufzuspringen, in dem auch Warner-Filme laufen.

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AP/Manuel Balce Ceneta
Discovery steuert ein breites Angebot an Reality-TV und Dokumentationen zur Fusion bei

Im Streaming-Geschäft sind Netflix und Disney besonders stark – und Branchenbeobachter rätseln, für wie viele andere Dienste neben ihnen noch Platz im Markt ist. Discovery-Chef Zaslav teilte mit, dass die nun zusammengelegten Unternehmen gemeinsam rund 20 Mrd. Dollar für Inhalte ausgeben – damit liege man über dem Programmbudget von Netflix.

Die beiden Firmenchefs lehnten es ab, ihre langfristigen Pläne für HBO Max und den von Discovery angebotenen Dienst Discovery+ im Detail zu erläutern, schreibt das „Wall Street Journal“. Sie könnten entweder getrennt bleiben oder zu einem noch größeren Streamingdienst zusammengefasst werden. „Man muss Inhalte haben, die die Leute so sehr lieben, dass sie nach Hause rennen und dafür bezahlen würden, bevor sie für ein Abendessen oder ein Dach über dem Kopf bezahlen“, zitierte die Zeitung den Discovery-Chef bei einem Telefonat mit Investoren.

Auch Geschäft mit Kabelfernsehen schwächelt

Das Streaming dünnt in den USA auch die Erlöse im lange lukrativen Geschäft mit Kabelfernsehen aus. Der Warner-Nachrichtensender CNN, der in den USA im Kabelfernsehen zu sehen ist, erlebte einen Aufschwung im vergangenen Jahr mit dem Wahlkampf ums Weiße Haus. Zuletzt gingen die Zuschauerzahlen aber wieder zurück. Zaslav sagte, man wolle CNN behalten und noch ausbauen.

Auch der Telekom-Konkurrent Verizon trennte sich inzwischen von seinen teuren Medienzukäufen. Anfang des Monats verkaufte er die Onlinesparte mit den Internetdinos Yahoo und AOL für fünf Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Apollo Global Management. Verizon gab damit weitgehend die Ambitionen auf, bei Onlinewerbung mit Schwergewichten wie Google und Facebook zu konkurrieren.

Börsen reagieren positiv

An der Börse löste der Deal positives Echo aus: AT&T-Aktien, die seit 2016 rund ein Viertel eingebüßt hatten, haben nach Ankündigung des Geschäfts vorbörslich um drei Prozent zugelegt. Auch die Aktien von Discovery legten zu – sie sprangen sogar um zwölf Prozent, wie das „Wall Street Journal“ berichtet.