Drei Männer prosten sich mit Bier im Gastgarten des Wiener Schweizerhauses zu
APA/Helmut Fohringer
Lockdown endet

Aufbruchstimmung am Tag der Öffnung

Am Mittwoch sind die Türen zu Gastronomie, Fitnessstudios und Veranstaltungen wieder aufgegangen. Trotz instabiler Wetterlage wurde das Angebot gerne angenommen, nicht zuletzt von der Politik. Auch die heimischen Hotels sind wieder geöffnet und freuen sich über gute Buchungszahlen.

Mehr als ein halbes Jahr lang dauerte der Lockdown in Österreich, am Mittwoch wurde schließlich wieder geöffnet. Bereits um 5.00 Uhr sperrten vereinzelt Lokale auf, die sich neben Gästen auch über großes Medieninteresse freuten. Wer ein Lokal aufsuchen will, muss ab nun getestet, geimpft oder genesen sein und sich ausweisen können.

In der Gastrobranche herrschte noch eine gewisse Unsicherheit, wie gut das Geschäft letztlich tatsächlich gehen wird. Vorsorglich wurde bei der Regierung schon deponiert, dass die Hilfszahlungen nicht schlagartig enden dürften. Neben der Unsicherheit über die Akzeptanz der Coronavirus-Maßnahmen sorgt sich die Branche auch wegen der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den klassischen Touristenregionen fehlen zudem noch viele ausländische Gäste.

Die Erleichterung bei Gästen und Betreibern war am Mittwoch aber trotzdem groß – bei ersten Lokalaugenscheinen hielten sich alle Beteiligten an die nun geltenden Regeln und freuten sich über den Besuch im Kaffeehaus oder Restaurant – mehr dazu in burgenland.ORF.at und kaernten.ORF.at.

Modellregion als Vorbild

In Vorarlberg, wo die Gastronomie wegen niedriger Infektionszahlen bereits vor zwei Monaten öffnete, wurde vor wenigen Tagen eine positive Bilanz gezogen. Das Aufsperren habe – trotz der höchsten 7-Tage-Inzidenz bundesweit – zu keinen größeren Clustern geführt, ergab eine Analyse der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sah die Ergebnisse in Vorarlberg positiv: Wenn die Sicherheitskonzepte eingehalten würden und schnell reagiert werde, könnten die Öffnungen gelingen, so Mückstein – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Der Lockdown ist zu Ende

Hotellerie, Gastronomie und Freizeitbetriebe öffnen nach monatelangem Lockdown wieder ihre Pforten. Die Erleichterung ist groß, die meisten Lokale sind ausgebucht.

In der Steiermark hemmte der Regen so manchen Gast, den Schanigarten anzusteuern – mehr dazu in steiermark.ORF.at. Die Aussichten waren aber vielversprechend. Bei der Teststation in der Grazer Messe herrschte Mittwochfrüh etwa größerer Andrang als sonst zu dieser Zeit. Auch in Tirol verregnete es den Start in die Gastgartensaison. Die Gastgärten der Innenstadt blieben so gut wie leer, nur einige wenige Gäste trotzten unter den Schirmen dem Wetter.

Strengere Regeln in Wien

Auch die Wiener Gastronomie öffnete – hier gelten strengere Regeln als im Rest des Landes. Statt einmal die Woche müssen die Beschäftigten durchgehend getestet sein, wenn sie arbeiten. Sollten sie über keinen aktuell gültigen Nachweis eines negativen Tests verfügen, müssen die betreffenden Personen eine FFP2-Maske tragen. Das gilt nicht nur für Personen mit Kundenkontakt, also etwa Personal im Service, sondern für alle Mitarbeiter. Entsprechend groß gestaltet sich auch der Andrang auf die Testkits, die den Betrieben kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

„Nichts wäre schlimmer, als wenn die Zahlen wieder steigen und wir Maßnahmen zurücknehmen müssten“, sagte am Mittwoch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Der Stadtchef und der Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck trafen einander am Mittwoch in einem Kaffeehaus, um die Öffnungen zu zelebrieren – mehr dazu in wien.ORF.at.

Beide zeigten sich über das Ende des Betretungsverbots erfreut – und äußerten Zuversicht, dass kein weiterer Lockdown notwendig sein werde. Lob gab es für die Wiener Bevölkerung, die die strengen Schutzmaßnahmen eingehalten habe. „Es ist wirklich ein schöner, ein großer Tag“, befand auch Kammerpräsident Ruck. Der Wiener Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) fand sich am Öffnungstag im noch recht kühlen Freibad ein. Im Wiener Stadionbad testete er persönlich ein neues Becken.

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Ein Kellner serviert Gästen in einem Cafe
APA/Georg Hochmuth
Freude im Wiener Cafe Museum: Getestet, geimpft oder genesen können Gäste wieder eine Melange im Lokal genießen
Besucherandrang im Wiener Schweizerhaus
APA/Helmut Fohringer
In Wien war vor allem der Andrang auf das Schweizerhaus im Prater groß
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) im Gastgarten des Wiener Schweizerhauses
APA/Helmut Fohringer
Dort fanden sich auch Teile der Bundesregierung ein, um die Öffnungen zu feiern (im Bild: Kanzler Sebastian Kurz, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Grünen-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer)
Der Wiener Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im Becken des Wiener Stadionbades
APA/David Bohmann
Der Wiener Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) testete das neue Becken im Stadionbad
Hinweisschild mit der Aufschrift „Bitte halten Sie Ihr aktuelles Testergebnis bereit“
APA/Georg Hochmuth
Die Betreiber von Lokalen sollen gewährleisten, dass die Regeln eingehalten werden. Wie Kontrollen tatsächlich durchgeführt werden können, muss sich noch weisen.
Ein Coach in einem Fitnesscenter hilft einem Trainierenden mit Hanteln
APA/Hans Punz
Nach über einem halben Jahr der Schließung sind nun auch die Fitnessstudios wieder offen
Leerer Gastgarten im verregneten Zentrum von Graz
APA/Ingrid Kornberger
In der Steiermark war der Start in die Gastronomie verregnet, so hier in Graz

Besuch von der hohen Politik erhielt am Mittwoch auch der Wiener Prater. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Grünen-Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer trafen einander zum Mittagessen im Schweizerhaus. Kurz und Kogler betonten, dass es ein „Tag der Freude“ sei. Unter den Schaulustigen fanden sich auch einige Demonstrierende ein, ein Versuch, zur Politrunde vorzudringen, scheiterte, zwei Personen wurden von Zivilkräften zu Boden gebracht – mehr dazu in wien.ORF.at.

Regierung feiert Öffnung im Wiener Prater

Die Regierungsspitze hat am Mittwoch ihre Pressekonferenz zu den Öffnungen im Schweizerhaus im Wiener Prater abgehalten – begleitet von einigen Regierungskritikern und CoV-Demonstanten.

Zuvor hatte Dominik Nepp, Chef der FPÖ Wien, via Twitter Folgendes abgesetzt: „Falls jemand Sebastian Kurz und seiner Regierung für Eintrittstests, Maskenpflicht und Dauerlockdown ‚danken‘ möchte. Heute wäre eine gute Gelegenheit dazu!“ Unmittelbar nach dem Auftritt der Regierungsspitze im Prater twitterte Nepp dann: „Offenbar haben sich sehr viele ‚bedankt‘. Sebastian Kurz wurde – begleitet von ca. 20 Polizisten – vom gesamten Schweizerhaus ausgepfiffen.“

Zuversicht für die Kultur

Nach dem Besuch im Schweizerhaus ging es für die Vertreterinnen und Vertreter der Regierung weiter in die Staatsoper. Das sei „ein großer Tag für uns“, sagte Operndirektor Bogdan Roscic, der die Regierungsabordnung am Mittwochnachmittag gemeinsam mit der kaufmännischen Direktorin Petra Bohuslav begrüßte.

Ehe es auf und hinter die Bühne ging, wo die Politikerinnen und Politiker auf Mitwirkende der Kinderoper „Der Barbier für Kinder“ sowie des „Faust“ trafen, gab es auf der Feststiege kurze Statements, in denen vor allem den Kulturschaffenden für ihr Verständnis und ihr Durchhaltevermögen gedankt wurde. Staatssekretärin Mayer sprach von „großer Erleichterung“: „Wir bekommen ein großes Stück unserer Lebensqualität wieder zurück. Heute geht es wieder los, und ich bin zuversichtlich, dass es dieses Mal auch so bleiben wird.“

Hotelbranche zwiegespalten

Auch die Hotellerie ging am Mittwoch mit Zuversicht aus dem Lockdown. „Die Buchungen an den Feiertagswochenenden, Pfingsten und Fronleichnam, die schauen gut aus – es gibt Regionen und Betriebe, die ausgebucht sind“, sagte die Chefin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, im Gespräch mit der APA. „Die Leute wollen raus.“ Das Bild in der Branche sei aber zweigeteilt: Die Ferienhotellerie dürfte sich rasch wieder erholen, die Stadthotellerie stecke aber nach wie vor tief in der Krise. Die Gäste aus Asien und den USA fehlten, daran werde sich auch in den kommenden Monaten nichts ändern.

„In der Ferienhotellerie, zum Beispiel in den Thermen, sieht es im Moment sehr gut aus – die, die im Mai immer viele Gäste hatten, haben auch jetzt viele“, so die ÖHV-Chefin. Auch für die Monate Juli und August ist Reitterer zuversichtlich: „Das wird sich heuer in einen so guten Sommer wie letztes Jahr entwickeln.“

Große Reiselust

Die Öffnung der Hotels erfolgt unter einer Reihe von behördlichen Auflagen – sämtliche Besucher müssen entweder geimpft, getestet oder von der Krankheit genesen sein und das an der Rezeption auch entsprechend nachweisen. Diesen Umständen zum Trotz ist die Reiselust der Österreicherinnen und Österreicher groß.

Zwei Drittel planen laut einer Umfrage im Auftrag der Hoteliervereinigung heuer im Sommer auf jeden Fall einen Österreich-Urlaub – 37 Prozent wollen ausschließlich im eigenen Land buchen, 29 Prozent wollen sowohl ins EU-Ausland fahren als auch in Österreich urlauben. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer verwies auf eine weitere aktuelle Umfrage von market, wonach 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sich auf einen Gasthaus- oder Restaurantbesuch freuen.