Eine Plane verdeckt das Wrack der in Stresa (Italien) abgestürzten Gondel
AP/LaPresse/Piero Cruciatti
Gondelabsturz

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore mit 14 Todesopfern am Sonntag hat die Staatsanwaltschaft der piemontesischen Stadt Verbania am Montag Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung in die Wege geleitet. Eine Kommission aus Fachleuten unterstützt die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft. Ein Kabelriss und nicht funktionierende Bremsen sollen die Ursachen des Unglücks gewesen sein.

Das Südtiroler Unternehmen Leitner, das für die Wartung der Seilbahn zuständig ist, gab an, dass bei der letzten Kontrolle im November 2020 keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden seien. Die Prüfung erfolge jährlich. Auch nach der Generalüberholung der Bahn im Jahr 2016 sei die Anlage genau kontrolliert worden. Das Unternehmen erklärte sich bereit, mit der Staatsanwaltschaft bei der Klärung der Ursachen des Unglücks zusammenzuarbeiten.

Mit einem Trauertag gedachte die Kleinstadt Stresa am Lago Maggiore der 14 Todesopfer des Seilbahnunglücks. Die Geschäfte schlossen am Montag um 12.00 Uhr zu Ehren der Verunglückten. Die Glocken schlugen eine Minute lang für jedes der 14 Opfer. Die Fahnen in der Stadt wurden auf halbmast gesetzt.

Eine abgestürzte Gondel der Seilbahnstrecke Stresa-Mottarone
AP/Italian Vigili del Fuoco Firefighters
Die Seilbahn stürzte in Gipfelnähe ab

Notbremse funktionierte nicht

Verkehrsminister Enrico Giovannini traf am Montag die Bürgermeisterin von Stresa, Marcella Severino, sowie die Rettungsmannschaften, die die Leichen geborgen hatten. Die Ermittlungen zur Ursache des Seilbahnunglücks sind im Gange. Neben dem Kabelriss muss die Staatsanwaltschaft der piemontesischen Stadt Verbania, die mit den Ermittlungen beauftragt wurde, auch prüfen, warum die Notbremse der abgestürzten Seilbahnkabine nicht funktionierte.

Der Notruf nach dem Absturz der Gondel traf gegen 12.15 Uhr ein. Eine Person, die das Unglück beobachtet hatte, schlug Alarm. Zwei Hubschrauber des regionalen Rettungsdienstes wurden entsandt. Die Retter bargen die einzigen beiden Überlebenden, zwei Buben im Alter von neun und fünf Jahren. Sie wurden mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus Regina Margherita in Turin transportiert. Hier starb der Neunjährige, das zweite Kind kämpft noch um sein Leben. Der Bub wurde operiert, noch ist unklar, ob er Gehirnschäden erlitten hat, berichteten die Ärzte des Turiner Krankenhauses.

Seilbahn-Absturz am Lago Maggiore
Reuters/Italienische Polizei
Die Bergung war wegen des unwegsamen Geländes sehr schwierig

Familienausflug mit Großeltern

Die Familie des fünfjährigen Buben, die israelischer Herkunft ist, wohnte seit Jahren in der lombardischen Stadt Pavia. Die in Israel lebenden Urgroßeltern der zwei Buben waren zu Besuch. Die Familie hatte beschlossen, am Sonntag einen Ausflug an den Lago Maggiore zu unternehmen. Zu den Opfern zählt auch ein iranischer Student, der in Rom lebte. Der 23-Jährige hatte seine 27-jährige Freundin besucht, die am Lago Maggiore arbeitete. Beide kamen beim Absturz ums Leben. Verunglückt ist auch ein junges Paar aus der lombardischen Stadt Varese, berichteten die Behörden.

20 Meter in Tiefe gestürzt

Die Gondel der bei Urlaubern und Urlauberinnen beliebten Seilbahn war nach Angaben der Behörden am Sonntag auf dem Weg von Stresa zum Gipfel des Berges Mottarone unterwegs, als sie gegen Mittag aus rund 20 Meter Höhe abstürzte. Stresas Bürgermeisterin sagte, Wanderer in der Nähe hätten vor dem Absturz ein lautes Zischen gehört, was auf einen Riss des Seiles hindeuten könne. Dann sei die Gondel nach ihrem Aufprall noch ein Stück den bewaldeten Berghang hinuntergerollt. Einige Menschen seien in der Gondel eingeschlossen und andere hinausgeschleudert worden.

In der Zwischenzeit trafen die Bodenteams der Alpinrettung ein und setzten die Bergung der Leichen fort. „Es war wie nach einem Kriegsschauplatz. In 25 Jahren habe ich noch nie so etwas erlebt“, sagte der Leiter der Alpinrettung in der Provinz Verbania, Matteo Gasparini. Verkehrsminister Giovannini besichtigte am Montag den Unglücksort. Er leitete ein Treffen mit dem Zivilschutz und kondolierte den Familien der Todesopfer.

Ermittlungen nach Seilbahnabsturz

Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Verbania in der Region Piemont übernahm die Ermittlungen nach dem Seilbahnunglück.

Erinnerungen an Unglück mit Militärjet

Die Tragödie am Lago Maggiore weckte in Italien Erinnerungen an ein weiteres Seilbahnunglück in Norditalien im Jahr 1998. Ein US-Militärjet kappte damals im Tiefflug das Kabel einer Seilbahn, die Cavalese mit dem höher gelegenen Skiort Cermis im Trentino verband. Mit dem Seitenleitwerk des Flugzeugs wurde das Tragseil der talwärts fahrenden Kabine durchtrennt. 20 Insassen einer Gondel wurden in den Tod gerissen. Unter den Opfern waren auch ein 37-jähriger Wiener und eine gebürtige Innsbruckerin, die in Brixen lebte.