Tausende demonstrieren in Zagreb gegen Abtreibungen

In Zagreb haben mehrere tausend Menschen gegen das Recht auf Abtreibung demonstriert. Die meisten Demonstrierenden in Kroatiens Hauptstadt gestern trugen keine Schutzmasken, sie stimmten patriotische Gesänge an und trugen kroatische Flaggen. Auf Spruchbändern hieß es „Unborn Lives Matter, Too“ („Auch das Leben von Ungeborenen zählt“) – in Anlehnung an den Slogan „Black Lives Matter“ („Das Leben von Schwarzen zählt“) der Bewegung gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA.

Abtreibungsgegner demonstrieren in Zagreb
APA/AFP/Denis Lovrovic

Vertreterinnen und Vertreter linker und feministischer Gruppen standen am Straßenrand und brachten ihr Missfallen über die Demonstration der Abtreibungsgegner zum Ausdruck.

Abtreibung kann verweigert werden

Der Protest gegen Abtreibungen in Zagreb fand bereits im sechsten Jahr in Folge statt. Abtreibungen sind in Kroatien auf der Grundlage eines Gesetzes von 1978 bis zur zehnten Schwangerschaftswoche legal. Damals war Kroatien noch ein Teil Jugoslawiens. Das Gesetz erlaubt es Ärzten und Ärztinnen aber, eine Abtreibung zu verweigern. Nach offiziellen Statistiken machen 60 Prozent von diesem Recht Gebrauch.

2017 entschied das kroatische Verfassungsgericht, dass eine gesetzliche Neuregelung zur Abtreibung nötig sei. Bisher ist dies noch nicht geschehen, doch befürchten Befürworter des Rechtes auf den Schwangerschaftsabbruch eine Gesetzesverschärfung. Die Frage der Abtreibung spaltet die kroatische Gesellschaft seit langem. Rund 90 Prozent der 4,2 Millionen Einwohner des Balkan-Staates sind Katholiken.