Fall Relotius: Fälscher führt seelische Probleme an

Claas Relotius gilt als Verursacher des größten Medienskandals in Deutschland seit den vermeintlichen Hitler-Tagebüchern. Jahrelang fälschte er Fakten in Reportagen, die ihm hohes Ansehen und etliche Journalismuspreise bescherten. Im Dezember 2018 wurde schließlich aufgedeckt, dass es sich bei vielen seiner Artikel um Fälschungen handelte.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, für den Relotius vorwiegend tätig war, musste eingestehen, vielen der Fälschungen aufgesessen zu sein. Nun gab der heute 36-Jährige dem „Reportage-Magazin“ ein Interview, in dem er seine Motive erläutert. Relotius gab darin seelische Probleme als Ursache an.

Anzahl der Fälschungen unbekannt

Wie viele seiner Artikel der Wahrheit entsprachen, wisse er nicht, so Relotius. „Nach allem, was ich heute über mich weiß, wahrscheinlich die allerwenigsten. Bei einigen Texten kann ich es einfach nicht sicher sagen.“ Er sei psychisch krank und habe seinen Beruf missbraucht.

Das „hemmungslose Schreiben hatte für mich eine ganz egoistische Funktion. Es hat mir geholfen, Zustände, in denen ich den Bezug zur Realität verloren habe, zu bewältigen, zu kontrollieren und von mir fernzuhalten. Schon lange vor dem Journalismus.“

Nach Auffliegen des Skandals habe er sich ein halbes Jahr lang in stationäre psychiatrische Behandlung begeben. Er habe „Mist gebaut“, das tue ihm leid, so Relotius.