Der ehemalige US-Präsident Donald Trump
Reuters/Jonathan Drake
„Washington Post“

Trump wollte Infizierte auf Insel schicken

Der damalige US-Präsident Donald Trump soll einem Buch zufolge zu Beginn der Coronavirus-Pandemie erwogen haben, infizierte Landsleute auf eine Insel zu schicken. Wegen des Fehlens einer passenden Insel sollten sie, wäre es nach Trump gegangen, nach der Rückkehr aus dem Urlaub zur Quarantäne nach Guantanamo auf Kuba geschickt werden. Das berichtete die „Washington Post“ am Montag unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Buch, das sich mit der Pandemie in den USA auseinandersetzt.

Das Enthüllungsbuch „Alptraum-Szenario: Die Reaktion der Trump-Regierung auf die Pandemie, die die Geschichte verändert hat“ wurde von zwei Mitarbeitern der Zeitung geschrieben. In Guantanamo Bay auf Kuba betreiben die USA einen Militärstützpunkt mit einem berüchtigten Gefangenenlager, das nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 eingerichtet worden war. Terrorverdächtige werden dort unter Missachtung grundlegender menschenrechtlicher Standards festgehalten. Trumps Vorgänger Barack Obama hatte sein Wahlversprechen, Guantanamo zu schließen, nicht eingehalten.

„Haben wir keine Insel, die wir besitzen?“, soll Trump im Februar 2020 im Weißen Haus gefragt haben, bevor sich das Virus dramatisch in den USA ausbreitete. Und dann: „Was ist mit Guantanamo?“ Trump-Berater seien fassungslos gewesen, schrieb die „Washington Post“. Letztlich sei die Idee verworfen worden, weil sich die Berater über die öffentliche Reaktion gesorgt hätten, wenn Urlaubsrückkehrer und -rückkehrerinnen auf demselben US-Stützpunkt untergebracht worden wären wie Terrorverdächtige.

Trump regte sich über CoV-Tests auf

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Buch weiter, Trump habe sich im März 2020 bei seinem Gesundheitsminister Alex Azar darüber beklagt, dass die US-Bundesregierung die Federführung bei den CoV-Tests übernommen hatte. Trump soll gesagt haben: „Ich werde die Wahl wegen der Tests verlieren! Welcher Idiot ließ die Bundesregierung Tests ausführen?“ Azar habe ihn dann darauf hingewiesen, dass sein Schwiegersohn Jared Kushner die Initiative übernommen habe.

Das Buch soll am 29. Juni erscheinen. Die Autoren Yasmeen Abutaleb und Damian Paletta sind Mitarbeiter der „Washington Post“. Laut der Zeitung zeichnet das Buch das Chaos in der Trump-Regierung infolge der Pandemie nach. Eines der größten Probleme sei nach Überzeugung der Autoren gewesen, dass es keine klaren Zuständigkeiten für die Reaktion auf die Pandemie gegeben habe.

Jared Kushner
Reuters/Tom Brenner
Trumps Schwiegersohn Jared Kushner will die Trump-Sicht in seinem Buch präsentieren

Schwiegersohn will Trump-Sicht präsentieren

Ein weiteres „Enthüllungsbuch“ über die Ära Trump steht ante portas – allerdings aus dem engsten Kreis um Trump. Wie vor einer Woche bekanntwurde, unterschrieb Trumps Schwiegersohn und Chefberater Kushner einen Buchdeal. Der konservative Sachbuchverlag Broadside Books – ein Teil von HarperCollins – teilte mit, es werde sich um die „maßgebliche, vollständige Erzählung“ und „die Wahrheit über das Geschehen hinter geschlossenen Türen“ handeln. Das Buch soll also quasi die Trump-Sicht der Präsidentschaft präsentieren.

Der Immobilieninvestor Kushner hatte Trump unter anderem in der Nahost-Politik und der digitalen Kommunikation beraten. Er galt als eine zentrale Figur hinter den Kulissen. Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet. Finanzielle Details zu dem Buchdeal wurden nicht publik gemacht.

Mike Pence
AP/Meg Kinnard
Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence verknüpft seinen Buchdeal mit der Gründung einer Organisation

Kontroverse um Pence-Buchdeal

Kushners Buch wird eines von vielen Werken werden, die sich mit der Trump-Präsidentschaft beschäftigen. Nicht nur Journalistinnen und Journalisten verfassten solche (etwa Bob Woodward mit „Furcht“ sowie „Wut“ und Michael Wolff mit „Feuer und Zorn“), auch Trumps Familie (Mary Trump mit „Zu viel und nie genug“) und Ex-Regierungbeteiligte (etwa John Bolton mit „Der Raum, in dem es geschah“) widmeten Trump Bücher. Auch Trumps Ex-Sprecherin Kellyanne Conway hat einen Buchvertrag.

Zuletzt war im Frühjahr eine Kontroverse über ein geplantes Buch von Ex-Vizepräsident Mike Pence mit einem millionenschweren Vertrag ausgebrochen. Rund 200 der 1.600 Beschäftigten des Verlags Simon & Schuster hatten gegen eine Veröffentlichung protestiert, Befürworterinnen und Befürworter hatten mit Publikationsfreiheit gekontert.

Am Tag, als der Buchdeal bekanntwurde, kündigte Pence den Start einer von ihm geführten konservativen Organisation namens Advancing American Freedom (etwa: amerikanische Freiheit vorantreiben) an. AAF baue auf der „erfolgreichen Politik der Trump-Pence-Regierung“ auf und werde helfen, „die Agenda der radikalen Linken zu bezwingen“, schrieb Pence im Frühjahr auf Twitter. Dem Beirat der Organisation gehören weitere prominente frühere Vertreter der Trump-Regierung an, darunter Conway und Wirtschaftsberater Larry Kudlow. Die Ankündigung befeuerte Spekulationen über eine mögliche Kandidatur Pences bei der Präsidentenwahl 2024.