Fauci glaubt an Zoonose statt an Laborunfall

Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci geht nicht davon aus, dass das Coronavirus aus einem chinesischen Labor entwichen ist. In einer Podcast-Episode der „New York Times“, die gestern erschien, sagte der Immunologe: „Ich bin der Ansicht – so wie die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich mit Virologie und Evolutionsbiologie auskennen –, dass die wahrscheinlichste Erklärung eine natürliche Übertragung vom Tier auf den Menschen ist.“

Er selbst sei zwar kein Evolutionsvirologe, sagte Fauci, „doch die, die es sind, sehen sich das Virus an und sagen, es ist absolut kompatibel mit etwas, das sich aufgrund der Nähe zu Fledermausviren entwickelt hat“. Auch der Vergleich mit anderen Viren wie SARS-CoV-1 und dem MERS-Virus spreche für eine natürliche Übertragung auf den Menschen.

Fauci für Untersuchung

Der 80-Jährige, der US-Präsident Joe Biden berät, unterstützt trotzdem Pläne für neue Ermittlungen der amerikanischen Geheimdienste. Als Wissenschaftler bleibe er so lange offen für neue Erkenntnisse, bis eine Theorie endgültig bewiesen sei. „Wenn uns eine Untersuchung dabei hilft, bin ich natürlich dafür“, sagte Fauci.

Seit Langem kursieren unbelegte Mutmaßungen, das Coronavirus könne womöglich aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan entwichen sein, wo es erstmals aufgetreten war. China hat derartige Vorwürfe bisher vehement zurückgewiesen. Auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einer im März vorgelegten Studie der Weltgesundheitsorganisation bezeichneten die Theorie als „extrem unwahrscheinlich“.