Frau geht in Rom an einem Haufen Müll vorbei
Reuters/Yara Nardi
Wieder akut

Roms ewige Müllkrise

Praktisch alle Jahre wieder: In Italien, konkret in Rom, ist das Müllproblem wieder akut. Bei über 30 Grad stapeln sich in den Straßen Säcke mit Abfall, die Müllabfuhr ist überfordert. Das Problem ist nahezu chronisch, als Grund wird die Schließung von Deponien genannt. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi vermutet auch Gründe politischer Natur hinter der Müllkrise, ist aber selbst in der Defensive.

Italien kämpft spätestens seit 2013 mit dem immer wiederkehrenden Müllproblem. Damals wurde die Großdeponie Malagrotta westlich von Rom, wo ein großer Teil des Abfalls aus der italienischen Hauptstadt mit ihren knapp drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern entsorgt wurde, geschlossen. Allerdings ist Rom nicht die einzige Stadt Italiens, die regelmäßig in Müllbergen erstickt, Neapel etwa hatte mehrfach ähnliche Probleme.

Die Discarica de Malagrotta entsprach in keiner Weise europäischen Umweltstandards. Entsprechende Alternativen wurden allerdings auch nicht geschaffen. Pläne für den Bau von Müllverbrennungsanlagen außerhalb der italienischen Hauptstadt scheiterten bisher. Bürgermeisterin Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle, M5S), bemühte sich in den letzten Jahren, Mülltrennung und Recycling zu forcieren, allerdings mit überschaubarem Erfolg.

Aufregung über seinerzeitigen Export nach Österreich

Die städtischen Abfallbetriebe, AMA Roma, müssen täglich laut unterschiedlichen Angaben um die 3.000 Tonnen Müll einsammeln, teils wird dieser auch im Ausland verbrannt – so auch schon in Dürnrohr nahe Zwentendorf im niederösterreichischen Bezirk Tulln. Das sorgte damals durchaus für Kontroversen über Müllexporte und -importe. 2017 wurden einige zehntausend Tonnen italienischen Abfalls in Niederösterreich zur Energieerzeugung verbrannt.

Mann radelt in Rom an einem Haufen Müll vorbei
Reuters/Yara Nardi
Tonnenweise stapelt sich Müll in den Straßen der italienischen Hauptstadt

Die Plage und die Politik

Zurück in der Gegenwart seien die Einwohnerinnen und Einwohner der italienischen Hauptstadt – auch nicht zum ersten Mal – verärgert über Müllberge, Gestank, Ratten und Ungeziefer. In der Presse war vor etwa zwei Wochen sogar von einer sich anbahnenden Wildschweinplage samt Gefahr für Fußgängerinnen und Fußgänger bzw. Radfahrer die Rede. Laut Bericht der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Dienstag bleiben aktuell etwa 1.500 Tonnen Müll in Roms Straßen liege.

Frau geht in Rom an einem Haufen Müll vorbei
Reuters/Max Rossi
Container werden nicht regelmäßig geleert, der Abfall landet daneben

Raggi, die sich bei den italienischen Kommunalwahlen im Oktober ihrer Wiederwahl als Bürgermeisterin der Stadt stellt, muss sich Kritik gefallen lassen. Sie habe die Krise nicht zum ersten Mal nicht im Griff, heißt es. Sie selbst beklagt, hinter dem Beschluss, Deponien im Umland der Hauptstadt zu schließen, stehe die politische Absicht, ihr zu schaden.

Ein einziges Deja-vu

Raggi geht im Oktober gegen den Mitte-rechts-Kandidaten Enrico Michetti und gegen Ex-Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri, Spitzenpolitiker der Sozialdemokraten (PD), ins Rennen. Ein weiterer Kandidat ist Ex-Industrieminister Carlo Calenda. Laut aktuellen Umfragen hat die 42-jährige Raggi, die 2016 zur erste Stadtchefin Roms gewählt wurde, aktuell keine besonders guten Karten für eine weitere Amtszeit.

Müllbagger in der Mülldeponie Malagrotta bei Rom 2013
Reuters/Alessandro Bianchi
Malagrotta, die größte Deponie des Landes, wurde vor Jahren geschlossen

Sie verlange nun die Öffnung bereits geschlossener Deponien, um Zehntausende Tonnen Abfall aus der Hauptstadt loswerden zu können, aber das Umland der Hauptstadt lege sich quer, wolle den Müll aus der Metropole nicht, schrieb der „Corriere“ am Dienstag. Raggi wiederum kritisiere, man habe sich nach der Schließung der Deponien keine Alternative überlegt, wohin der Müll nun solle.

Der Streit über die kommunale Müllentsorgung Roms schwelt seit Jahren. 2017 hatte der damalige Umweltminister Gian Luca Galletti kritisiert, dass nur etwa 40 Prozent des Abfalls in Rom recycelt würden, es seien lediglich zwei Müllverbrennungsanlagen in Betrieb und folglich überfordert.