Sparks-Lake-Feuer in British Columbia (Kanada)
APA/AFP/BC Wildfire Service
„Ganzer Ort in Flammen“

Brände nach Hitzerekord in Kanada

Nach tagelangen Hitzerekorden haben die Bewohner der kanadischen Ortschaft Lytton wegen Bränden aus ihren Häusern fliehen müssen. Bürgermeister Jan Polderman habe am Mittwochabend die Evakuierung des Ortes in der Provinz British Columbia angeordnet, berichtete der TV-Sender CBC.

„Es ist schrecklich. Die ganze Stadt steht in Flammen“, so Polderman: „Es dauerte etwa 15 Minuten von den ersten Rauchanzeichen bis zu dem Punkt, an dem plötzlich überall Feuer war.“ Zuvor hatte Lytton drei Tage in Folge Hitzerekorde verzeichnet. 49,6 Grad Celsius hatte das Thermometer nach Angaben der Wetterbehörde am Dienstag in dem Ort mit seinen rund 250 Einwohnerinnen und Einwohnern angezeigt, ein „Allzeit-Temperaturrekord“.

Lytton liegt rund 260 Kilometer nordöstlich von Vancouver. Wegen der Brände mussten sich nun viele Bewohner teils ohne ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen, wie CBC berichtete. Die Feuerwehr meldete auf Twitter mehrere Brände in der Gegend. In Zusammenhang mit einer Hitzewelle stehende Brände gibt es nicht nur in Kanada: Derzeit lodern auch in rund einem Dutzend US-Bundesstaaten etliche Waldbrände. Im Norden des US-Bundesstaates Kalifornien zerstörte beispielsweise das „Lava-Feuer“ bereits 7.000 Hektar Wald.

„So ernst wie nie zuvor“

„Die Waldbrandgefahr in diesem Jahr ist so ernst wie nie zuvor“, sagte US-Präsident Joe Biden bei einem virtuellen Treffen mit den Gouverneuren der westlichen US-Bundesstaaten. Dieses Jahr könne „schwieriger“ werden als das vergangene Jahr, als Waldbrände in den USA mehr als vier Millionen Hektar zerstörten. Die Flammen hätten damals den Himmel orange gefärbt und einen Anblick wie am „Ende der Welt“ geboten, erinnerte Biden.

Experten warnen vor häufiger auftretenden Hitzewellen durch den Klimawandel. Auch der kanadische Premier Justin Trudeau sagte: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr extreme Wetterphänomene dieses Typs erlebt. Realistischerweise wissen wir also, dass diese Hitzewelle nicht die letzte sein wird.“

Sparks-Lake-Feuer in British Columbia (Kanada)
APA/AFP/BC Wildfire Service
In Nordarmerikas Hitzeregionen lodern bereits etliche Waldbrände

2020 hatte Kalifornien eine „historische“ Katastrophe erlebt. Es war die flächenmäßig verheerendste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders schwer wüteten die Brände von Mitte August bis Ende Oktober. Mehr als 30 Menschen kamen ums Leben, über 10.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. In diesem Jahr wurde in etlichen kalifornischen Bezirken bereits im April ein Dürrenotstand ausgerufen.

Schon Hunderte Tote

Angesichts der Rekordtemperaturen in Kanada und den USA wächst die Angst vor weiteren Hitzetoten. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia starben seit Freitag vergangener Woche Hunderte Menschen wahrscheinlich im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen, wie die kanadischen Behörden am Mittwoch (Ortszeit) erklärten.

Allein im Großraum Vancouver starben laut Behördenangaben zwischen Freitag und Mittwoch 134 Menschen eines plötzlichen Todes. In der gesamten Provinz British Columbia wurden nach Angaben des leitenden Rechtsmediziners der Provinz in diesem Zeitraum 486 Tote registriert – verglichen mit einem Durchschnitt von 165 Toten in solchen Zeiträumen. Im an Kanada grenzenden US-Bundesstaat Washington wurden 16 Tote im Zusammenhang mit der Hitzewelle gezählt. Bei zwei von ihnen sei eine Hyperthermie, also eine Überhitzung, nachgewiesen worden, teilten die örtlichen Gesundheitsbehörden mit.

In den USA hatte die Hitzewelle auch die Bundesstaaten Washington und Oregon fest im Griff. In Portland stieg die Temperatur auf 47 Grad, der höchste Wert seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen im Jahr 1940. Allein im Bezirk Multnomah County, der mit Portland die größte Stadt Oregons einschließt, seien seit Beginn der großen Hitze am Freitag 45 Menschen im Zusammenhang mit der exzessiven Hitze gestorben, teilte die Gerichtsmedizin am Mittwoch mit. In Oregons nördlichem Nachbarstaat Washington stieg die Zahl der Toten auf 13, wie die Zeitung „The Seattle Times“ am Mittwoch berichtete.

„Der Klimawandel ist hier“

„Wir befinden uns mitten in der heißesten Woche, die British Columbia je erlebt hat“, sagte der Regierungschef der Provinz an der Westküste des Landes, John Horgan. Er rief dazu auf, nach Menschen zu schauen, die gefährdet sein könnten, kalte Kompressen im Kühlschrank aufzubewahren und sich im kühlsten Teil des Hauses aufzuhalten.

Für eine derart „abnormale“ Hitze sei niemand gerüstet, sagte eine seit 20 Jahren in der Region lebende deutsche Stadtplanerin angesichts der in Victoria gemessenen 46 Grad Celsius der dpa: „Kaum jemand hat Klimaanlagen, die Holzhäuser heizen sich auf. Ventilatoren in den Geschäften waren schnell ausverkauft.“ Das Ausnahmewetter bringt weitere Sorgen. Auf Vancouver Island klagten Obstbauern über Ernteverluste. Die Brombeeren würden „verbrennen“, sagte ein Farmer. Zudem seien 80 Prozent seiner Himbeerernte vernichtet.

Nach Einschätzung von Wissenschaftlern verschärft der Klimawandel Trockenheit, Hitze und Wetterextreme, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. „Der Klimawandel ist hier“, schrieb der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Mittwoch auf Twitter. Es werde ständig heißer und trockener. Der Demokrat hatte zuvor mit anderen Gouverneuren an einem virtuellen Treffen mit Biden teilgenommen. Diskutiert wurden Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen. Biden stellte unter anderem höhere Löhne und bessere Ausrüstung für Feuerwehrleute in Aussicht. Er warnte, dass dieses Jahr mit Blick auf die Waldbrände noch schlimmer als 2020 sein könnte.