Virusursprung: WHO fordert Offenheit von China

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus und der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn haben an China appelliert, bei einer umfassenderen Untersuchung der Coronavirus-Pandemie mitzuarbeiten. „Es gab ein Problem mit dem Austausch der Rohdaten“, sagte Tedros heute bei einem Besuch Spahns bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf.

Das zweite Problem sei, dass die These eines Ausbruchs in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan zu schnell beiseitegelegt worden sei. „Ich hoffe, dass es eine bessere Zusammenarbeit geben wird“, fügte er hinzu. Man sei es den vier Millionen CoV-Toten schuldig, dass man die Ursprünge aufkläre. Das sei auch wichtig, um effektiver weitere Pandemien bekämpfen zu können.

Auch Spahn drängte die chinesische Regierung, dass nach der ersten Untersuchungsphase weitere wichtig seien. Er werbe bei China dafür, dass die Suche nach dem Virusursprung fortgesetzt werden könne.

Ein WHO-Team hatte bei der ersten Untersuchung in China beklagt, nicht Zugang zu allen Daten erhalten zu haben. Diskutiert wird, ob das Virus vom Tier auf den Menschen übergriff oder aus einem Labor entwich. Die chinesische Regierung bestreitet, dass es aus einem Labor stammt.

Warnung vor vorschnellen Lockerungen

Vor einem zu frühen Ende wichtiger Schutzmaßnahmen warnte unterdessen der Notfallausschuss der WHO. „Der Gebrauch von Masken, das Abstandhalten, Handhygiene und besondere Lüftung von Innenräumen bleiben die Schlüssel, um die Übertragung des Coronavirus SARS-CoV-2 zu reduzieren“, teilte der Ausschuss mit.

Auch mit Blick auf Großveranstaltungen warnte der Ausschuss vor vorschnellen Entscheidungen. Dabei müssten das lokale Infektionsgeschehen und die Ausbreitung von Virusvarianten immer berücksichtigt werden. Der Ausschuss empfahl, die von der WHO am 30. Jänner 2020 ausgerufene „Notlage von Internationaler Tragweite“ beizubehalten. Damit verbunden sind eine erhöhte Überwachung des Infektionsgeschehens weltweit und leichterer Zugang zu Hilfen für ärmere Länder. Der Ausschuss kommt etwa alle drei Monate zusammen, um die Lage neu zu beurteilen.