Razzien bei unabhängigen Journalisten in Belarus

In Belarus haben Sicherheitskräfte heute die Wohnungen mehrerer unabhängiger Journalisten durchsucht. Wie der Sender Radio Free Europe/Radio Liberty in den Onlinenetzwerken mitteilte, wurde unter anderem die Wohnung der Leiterin des Minsker Büros des Senders, Valentina Schdanko, durchsucht.

Mehrere weitere Journalisten, die für den von den USA finanzierten Sender arbeiten, berichteten ebenfalls von Razzien. Mindestens einer von ihnen wurde von den Behörden demnach zum Verhör festgenommen.

Auch die Wohnungen von drei Journalisten, die für den Oppositionssender Belsat arbeiten, wurden nach deren Angaben durchsucht. Ein unabhängiger Journalist in der westlichen Stadt Grodno meldete ebenfalls eine Durchsuchung seiner Wohnung.

Lukaschenko will NGOs vor Gericht bringen

Erst am Mittwoch hatten Sicherheitskräfte in Belarus die Büros wichtiger Menschenrechtsgruppen durchsucht und mehrere Mitarbeiter festgenommen. Insgesamt waren offenbar mindestens fünf unabhängige Menschenrechtsgruppen von den Polizeieinsätzen betroffen, darunter die Organisation Wjasna und das belarussische Helsinki-Komitee.

Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Anfang dieser Woche hatte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko angekündigt, alle „erbärmlichen NGOs“ seines Landes zu finden und vor Gericht zu stellen.

Der seit fast drei Jahrzehnten regierende Lukaschenko war trotz massiver Betrugsvorwürfe nach der Wahl im August 2020 offiziell zum Sieger erklärt worden. Das löste beispiellose Massenproteste aus, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Das Vorgehen der Behörden gegen Demonstrierende und Medien stößt international auf scharfe Kritik.