Polizei und Feuerwehr beim verunglückten Zug in Tschechien
AP/CTK Photo/Chaloupka Miroslav
Haltesignal übersehen?

Mehrere Tote bei Zugskollision in Tschechien

Bei einem Zugsunglück in Tschechien sind am Mittwoch mehrere Menschen ums Leben gekommen und Dutzende weitere verletzt worden. Polizeiangaben zufolge stieß ein aus München kommender Expresszug nahe der Grenze zu Bayern mit einem tschechischen Regionalzug zusammen.

Die tschechische Polizei bestätigte Medienberichten zufolge drei Todesfälle. Dem Vernehmen nach sollen darunter auch die beiden Lokführer sein, hieß es dazu beim Bayerischen Rundfunk (BR). Zehn Menschen seien mit schweren bis lebensgefährlichen Verletzungen in tschechische Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin des Rettungsdienstes. Mehr als 30 Personen erlitten leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen.

Dutzende Rettungskräfte und vier Hubschrauber waren im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und in Krankenhäuser zu bringen. Auch aus Bayern kam Hilfe. Man habe mehrere deutsche und tschechische Notfallmanager zur Unfallstelle entsandt, hieß es dazu vom Betreiber des in das Unglück involvierten Expresszuges dem deutschen Unternehmen Länderbahn.

Polizei und Feuerwehr beim verunglückten Zug in Tschechien
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Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden mehr als 40 Personen verletzt

Haltesignal übersehen?

Das Unglück ereignete sich Mittwochfrüh um kurz nach 8.00 Uhr. Der von München Richtung Prag gestartete Expresszug Ex 351 habe nach ersten Erkenntnissen bei Domazlice (Taus) zunächst ein Langsamfahrt- und dann ein Haltesignal missachtet. Der Zug sei trotz eines Stoppsignals weitergefahren, teilte Tschechiens Verkehrsminister Karel Havlicek dazu auf Twitter mit. Der Zug sei dann auf der eingleisigen Strecke mit dem entgegenkommenden Regionalzug kollidiert. Dieser war auf dem Weg von der Industriestadt Pilsen (Plzen) nach Domazlice.

Auf dem Weg zum Unglücksort bezeichnete Havlicek die Lage als ernst. Er lobte zudem die Reaktion der Rettungskräfte, die schnell mit Dutzenden Helfern und vier Rettungshubschraubern an Ort und gewesen seien. Zunächst gehe es darum, weitere Leben zu retten, „anschließend muss alles untersucht werden“, teilte Tschechiens Premier Andrej Babis in einer ersten Reaktion via Twitter mit. Für Angehörige sei eine Hotline (0341-9135 4040) eingerichtet worden, wie die Länderbahn per Aussendung mitteilte.

„In Verantwortung von CD“

Der Verkehr der „Alex-Züge“ werde den Länderbahn-Angaben zufolge auf tschechischer Seite in Verantwortung der staatlichen Tschechischen Eisenbahnen (CD) betrieben. Man werde den Familienangehörigen der Opfer und Verletzten rasch Hilfe leisten, heißt es dazu in einer Stellungnahme der CD. Die tschechische Eisenbahninspektion hat indes bereits Ermittlungen aufgenommen, die Agenturberichten zufolge wohl Monate in Anspruch nehmen dürften.

Seit Jahren geführte Debatte über Streckenausbau

Der Sachschaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen. Die Strecke muss voraussichtlich längere Zeit gesperrt bleiben. Seit Jahren wird über einen Ausbau der Bahnverbindung zwischen München und Prag gesprochen. Derzeit beträgt die Fahrzeit zwischen den beiden Städten, die nur knapp 300 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, noch fast sechs Stunden.

Auf tschechischen Eisenbahnstrecken kommt es immer wieder zu Unfällen, die Sicherheitstechnik gilt vielerorts als veraltet. Im Juli vergangenen Jahres waren in Tschechien bei zwei Zugsunglücken drei Menschen ums Leben gekommen und Dutzende weitere verletzt worden.

Die Regierung in Prag hatte daraufhin ein Modernisierungsprogramm für die Signaltechnik angekündigt. Das moderne europäische Zugsicherungssystem ETCS ist bisher erst auf rund 200 Kilometern des Streckennetzes installiert. Bis 2025 soll es zumindest auf allen Hauptkorridorstrecken vorhanden sein.