Experte zu Türkei: Größte Feuer seit über zehn Jahren

Die Feuer an der türkischen Mittelmeer-Küste halten Einsatzkräfte und Bevölkerung weiter in Atem. Derart große Brände habe es seit mehr als zehn Jahren nicht gegeben, sagte Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität der dpa. 2008 habe es zuletzt Feuer ähnlicher Ausmaße gegeben. Das türkische Forstamt teilte heute mit, acht Brände seien weiterhin nicht unter Kontrolle.

Feuerwehr versucht Feuer in der Region Mugla zu löschen
APA/AFP/Str

Die Feuer wüten seit Tagen an der bei Touristinnen und Touristen beliebten Mittelmeer-Küste. Besonders betroffen sind die Regionen Antalya und Mugla. Bisher starben acht Menschen im Zusammenhang mit den Bränden.

Die Zahl der jährlichen Waldbrände in der Türkei habe sich seit den 80er Jahren mehr als verdoppelt, sagte Tolunay. Dass Brände verstärkt auftreten würden, sei klar gewesen, das Land habe sich aber nicht vorbereitet.

Feuer in Athen und Bulgarien vorerst unter Kontrolle

Der Wind in der Brandregion im Norden Athens hat indes nachgelassen, sodass das Feuer weitgehend eingedämmt werden konnte. Dafür steckt die ganze Stadt jetzt unter einer gewaltigen Rauchglocke, die sich mangels Wind auch nicht verflüchtigt. Helfen würden nur frische Böen, die jedoch das Feuer neu entflammen könnten. Die Ruhe an der Feuerfront ist momentan also nur vorläufig.

Rauch über der Stadt Athen
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Mehr als 80 Häuser sind den Flammen bisher zum Opfer gefallen, seit der Brand gestern seinen Lauf nahm. Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sprach bei einem Besuch in der Region in der Früh von einem „Alptraumbrand“.

Auch ein Großbrand am Fuß des Balkan-Gebirges bei Karlowo in Bulgarien wurde gebändigt, wie der Fernsehsender bTV berichtete. Unter Kontrolle ist einem Bericht des Staatsradios zufolge zudem ein seit Tagen tobender Großbrand im Südwesten Bulgariens.

Adria-Region Molise beantragt Notstand

Die italienische Region Molise beantragte unterdessen aufgrund der tagelangen Feuer den Notstand. Bei den Buschfeuern mussten die Feuerwehren laut Medienberichten teils Häuser evakuieren und Menschen in Sicherheit bringen. Auch auf Sizilien war die Feuerwehr heute weiter wegen zahlreicher Brände im Einsatz. Zudem sagte sie für Palermo und Catania Hitzewellen mit Temperaturen um 40 Grad Celsius voraus.

Die Feuerwehr sprach landesweit von 530 Waldbrandeinsätzen gestern. Mehr als die Hälfte davon gab es in Sizilien, Kalabrien und Apulien. In den betroffenen Regionen sind zudem Löschflugzeuge im Einsatz. Auch Frankreich schickte zwei Flugzeuge zur Unterstützung. Die Flammen loderten bereits an Stränden, Ferienorten, in Wäldern und um Wohngebiete.