Bild zeigt eine Pädagogin und Kinder an einem Tisch in einem Kindergarten.
Getty Images/miodrag ignjatovic
Ländersache

Kindergärten warten auf Sicherheitsnetz

Weil Kindergärten Ländersache sind, gibt es für sie – anders als für die Schulen – kein bundesweites Sicherheitskonzept in der Coronavirus-Situation. Stattdessen wird der Betrieb der Kindergärten nach dem Sommer je nach Bundesland unterschiedlich ablaufen. Von Tests für unter Sechsjährige über Ampelsysteme bis zum Einsatz von Luftfiltern reichen die Ansätze.

Während in den Schulen in den ersten zwei Wochen intensiv getestet wird, um infizierte Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer auszuschließen, gibt es in den Kindergärten keine derartige verpflichtende Sicherheitsphase. In mehreren Bundesländern wird lediglich auf die allgemeinen Vorgaben des Bundes für Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer verwiesen.

In Wien werden alle Kinder nach ihrer Rückkehr zum Testen bereits vor dem Wiedereinstieg in den Kindergarten aufgerufen. Auch danach will Wien im Kindergarten auf Testen setzen. Im Büro des zuständigen Stadtrats Christoph Wiederkehr (NEOS) verweist man darauf, dass das Angebot des Gratis-PCR-Tests „Alles gurgelt“ auch für die meisten Kindergartenkinder nutzbar ist.

Regelmäßige Mitarbeitertests

Die Details zu den Coronavirus-Schutzmaßnahmen in Kindergarten und Schule sollen kommende Woche präsentiert werden. Die Mitarbeitertests werden jedenfalls weiter durchgeführt, auch Geimpfte sollen laut Empfehlung der Stadt freiwillig weiter zweimal pro Woche testen. Für Neueinstellungen in den städtischen Kindergärten soll außerdem ab Herbst eine Coronavirus-Impfpflicht gelten.

Bild zeigt ein Kind bei einem „Lollipop-Test“.
APA/AFP/Joe Klamar
Niederösterreich und Burgenland setzen auf „Lollipop“-Antigen-Schnelltests für Kindergartenkinder

In Niederösterreich sollen die Details des Coronavirus-Sicherheitskonzepts in Kindergärten laut dem Büro von Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) in den nächsten Tagen kommuniziert werden. Fix ist, dass die mit Mitte Mai auf alle Einrichtungen ausgerollten Antigen-Schleckertests auch künftig zur Anwendung kommen, außerdem gilt für Neuaufnahmen in den Kindergärten im Bundesland künftig eine Coronavirus-Impfpflicht.

Auch im Burgenland setzt man weiter auf „Schleckertests“, von denen seit April jedem Kindergartenkind drei pro Woche zur Verfügung gestellt werden. Die Tests würden freiwillig zu Hause durchgeführt und die Ergebnisse der Einrichtung gemeldet, hieß es aus dem Büro von Bildungslandesrätin Daniela Winkler (SPÖ). Den Pädagogen werde empfohlen, die Kindergärten nur dann zu betreten, wenn sie die „3-G-Regel“ erfüllen. Derzeit herrsche „Normalbetrieb unter verstärkten Hygienebestimmungen“.

Skepsis gegenüber Tests von Kindern

Andere Bundesländer sehen indes keine Notwendigkeit für ein Testen von Kindergartenkindern. In Tirol gilt der Aufruf, sich testen zu lassen, für alle Reiserückkehrerinnen und Rückkehrer ab sechs Jahren. Laut Verordnung des Bundes sei derzeit keine Testpflicht für Kinder unter zwölf Jahren vorgesehen, hieß es indes aus Kärnten.

Regelmäßige Tests bei unter Sechsjährigen werden kritisch gesehen und sollten nur anlassbezogen erfolgen, wird in der Steiermark betont. Stattdessen wird dort auf die „3-G-Regel“ für alle Personen ab zwölf Jahren gesetzt. Wer nicht geimpft, getestet oder genesen ist, muss im Kindergarten durchgängig Maske tragen.

„Die Antigen-Nasenbohrertests, die in den Schulen von den Schülerinnen und Schülern selbstständig angewendet werden, sind mit einer Gruppe Kleinkindern von den Pädagoginnen realistischerweise nicht wirklich sinnvoll abzuwickeln“, sagte der Leiter der Kinderklinik der MedUni Innsbruck, Thomas Müller, gegenüber dem „Standard“ und empfiehlt eher „Lollitests“ auf PCR-Basis.

Überlegungen zu Ampelsystem

In Oberösterreich gehen unterdessen noch Überlegungen und die Planung zu Tests und zu Regeln je nach Infektionsgeschehen, etwa einer „Ampelregelung“. Dabei wolle man sich an den geplanten Empfehlungen des Bildungsministeriums orientieren. Auch in Kärnten und der Steiermark ist wieder eine „Ampelregelung“ angedacht, um auf das regional unterschiedliche Infektionsgeschehen eingehen zu können.

Einsatz von Luftfiltern

In Salzburg setzt Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) auf die aus ihrer Sicht bewährte „Bildungsampel“, die sich am Infektionsgeschehen in den Bezirken orientiert. Zudem sollen die Kindergartengruppen möglichst getrennt werden, Sport soll vorwiegend im Freien stattfinden. In Gruppenräumen soll der Einsatz von Luftfiltern für zusätzliche Sicherheit sorgen. Deren Anschaffung wird vom Land Salzburg zu 50 Prozent gefördert – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Coronavirus Luftfilter in einem Kindergarten, im Hintergrund zeigt eine Kindergärtnerin mehreren Kindern ein Buch
ORF
Salzburg fördert die Anschaffung von Luftfiltern

In Tirol sieht man die Verantwortung in Sachen Luftfilter unterdessen bei den Gemeinden als Erhalter der Kindergärten, hieß es aus dem Büro von Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) gegenüber der APA. Eine einheitliche Gesundheitsstrategie des Bundes für Kindergärten wäre sinnvoll und begrüßenswert, so Palfrader. Keine Rückmeldung gab es vorerst aus Vorarlberg.

Impfaufruf an Personal

Müller plädierte im „Standard“ dafür, eng angedockt an den Coronavirus-Schutzplan für die Schulen mit der zweiwöchigen Eingangsphase auch die Kindergärten im Blick zu behalten und zu „schauen, was wirklich passiert“. Das Um und Auf für sichere Kindergärten sei, „dass sich die Elementarpädagoginnen und -pädagogen und die Eltern impfen lassen“.

Ähnlich sieht das der Epidemiologie Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems. Nicht das Testen der Kleinkinder in elementarpädagogischen Einrichtungen bringe einen großen Mehrwert oder mehr Sicherheit für alle, sagte er im „Standard“, sondern „die Impfung der Pädagoginnen und Pädagogen“. Großflächige Kleinkindtests würden vom Kern der effektiven Pandemiebekämpfung ablenken, und das sei nun einmal die Impfung.

Faßmann will Empfehlungen abgeben

Das Bildungsministerium will noch im August zumindest Empfehlungen abgeben. Zusätzlich kündigte ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann an, Kindergärten auch in einem Teil seines geplanten Frühwarnsystems zu berücksichtigen.

So sollen bei 116 Kläranlagen Abwasseranalysen durchgeführt und auf diese Weise ein steigendes Infektionsgeschehen frühzeitig erkannt werden. Bei erhöhtem Risiko in einer Region sollen dann vom Ministerium neben den Schulen auch die Kindergärten vorgewarnt werden, um regional mit schärferen Sicherheitsmaßnahmen reagieren zu können.