Feuerwehrmänner und Freiwillige Helfer bekämpfen einen Brand im Dorf Glatsona auf Euböa.
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Brände von Italien bis Türkei

Bilanzen und neue Befürchtungen

Über die zahlreichen Waldbrände in der Mittelmeer-Region von Italien bis in die Türkei sind erste Bilanzen gezogen worden. Teils sind Brände außer Kontrolle, etwa auf der griechischen Insel Euböa. In einigen Brandregionen gibt es bereits Entspannung. Doch allgemein ist die Brandgefahr durch Hitzewellen und anhaltende Trockenheit weiterhin äußerst hoch, wie es von den Behörden heißt.

Im Kampf gegen die Waldbrände in Italiens Süden ruft der Nationalpark Aspromonte weiter um Hilfe. Leider habe trotz der Appelle nur ein Löschflugzeug die Löscharbeiten in dem Naturschutzgebiet in Kalabrien an der italienischen Stiefelspitze unterstützt, sagte Nationalparkpräsident Leo Autelitano in der Nacht auf Dienstag. Es werde sofort weitere Hilfe benötigt.

Das Gebiet um das Bergmassiv Aspromonte ist wegen seiner einzigartigen Lage und Landschaft unter den „Global Geoparks“ der UNO-Kulturbehörde UNESCO gelistet. In Italien brennen derzeit zahlreiche Feuer in Wäldern, auf Feldern und teilweise in bewohnten Gegenden. Inklusive Mittwoch sagten die Meteorologinnen und Meteorologen außerdem eine Hitzewelle für weite Teile Italiens voraus. Das Waldbrandrisiko bleibt durch die anhaltenden Trockenheit und heiße Winde deshalb hoch.

Feuer im Mittelmeer-Raum gemäß NASA-Brandmeldesystem FIRMS (bereinigt) in den 24 Stunden vor dem 10.8.2021, 12.00 Uhr. Satellitenbild Griechenland vom 9.8.2021.

Bis zu 48 Grad in einigen Städten

Die Zahl der italienischen Städte, in denen wegen möglicher Auswirkungen der Hitze auf die Gesundheit der Bevölkerung Alarmstufe Rot ausgerufen worden war, soll von vier am Dienstag auf zehn am Donnerstag steigen. Betroffen seien unter anderem Triest, Bologna, Rom, Bari und Palermo, teilte die Regierung in Rom mit. Das Gesundheitsministerium warnte vor negativen Auswirkungen auf die Gesundheit sowohl von gesunden Menschen als auch von Risikogruppen, Älteren und Kleinkindern.

Für die nächsten Tage werden in Teilen Süditaliens Temperaturen von bis zu 48 Grad vorhergesagt, da sich das afrikanische, subtropische Hochdruckgebiet „Luzifer“ in der voraussichtlich heißesten Woche des Jahres verschärfen wird. In den Notaufnahmen der römischen Krankenhäuser wurden Senioren behandelt, die an akutem Flüssigkeitsmangel litten.

Erhöhte Brandgefahr auf Sizilien und Sardinien

Auf Sizilien und Sardinien sagte die dortige Zivilschutzbehörde ein erhöhtes Brandrisiko für Großteile der Inseln voraus. Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli reiste der Nachrichtenagentur ANSA zufolge am Dienstag nach Sardinien. Dort hatten die Feuer vor allem im Westteil der beliebten Urlaubsinsel erhebliche Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Mit dabei waren Vertreterinnen der Ministerien für ökologischen Umbau und wirtschaftliche Entwicklung.

Ein Flugzeug beim Löschen eines Brandes in der Nähe von Oristano auf Sardinien.
AP/LaPresse/Alessandro Tocco
Ein Flugzeug beim Löschen eines Brandes in der Nähe von Oristano auf Sardinien

Der italienische Umweltminister Roberto Cingolani machte zuvor Brandstifter für die schweren Brände in Süditalien verantwortlich. „Die Wetterbedingungen sind äußerst günstig für diese Verbrecher. 70 Prozent der Brände hängen von Brandstiftern oder höchstens von Fahrlässigkeit ab“, sagte der Minister im Interview mit RAI1 Montagabend. Die Wälder in Italien seien oft verlassen und würden nicht mehr gepflegt, sagte Cingolani.

„Die Erde ist sehr trocken, die Pflanzen sind trocken, die Winde sind heiß und sehr stark. Brandstifter wissen leider sehr gut, wie man Brände legt. Das Grundproblem besteht darin, dass der Mensch zutiefst unzivilisiert ist. Außerdem ist die Pflege von Grünflächen von grundlegender Bedeutung“, sagte der Minister.

Bild zeigt ein abgebranntes Waldstück auf der Insel Evia, nördlich von Athen.
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Ein abgebranntes Waldstück auf der Insel Evia nördlich von Athen

Erste Bilanz in Italien und Griechenland

Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) der Europäischen Kommission sind in Italien seit Jahresbeginn 102.933 Hektar Land verbrannt, eine Fläche so groß wie 140.000 Fußballfelder. Das ist eine Vervierfachung im Vergleich zu den 28.479 Hektar, die zwischen 2008 und 2020 im Durchschnitt jedes Jahr verbrannten.

Während die Flammen vielerorts noch lodern, gibt es auch in Griechenland erste Untersuchungen zum Ausmaß der Schäden. Das geologische Institut der Universität Athen geht aktuell von 90.000 Hektar verbrannter Fläche im ganzen Land aus. „Die Daten ändern sich ständig, weil die Ereignisse noch im Gange sind“, sagte Niki Evelpidou, Professorin für Geologie und Geoumwelt an der Athener Uni, am Dienstag der Tageszeitung „Kathimerini“. Selbst wenn die Brände gelöscht seien, sei damit die Gefahr noch nicht gebannt. Oft folgten „Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutsche, die bei starken Regenfällen katastrophal sein können, was in den letzten Jahren sehr häufig vorkam“.

Serbische Feuerwehrmänner bekämpfen einen Brand in der Nähe des Dorfes Avgaria auf Euböa.
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Serbische Feuerwehrmänner bekämpfen einen Brand in der Nähe des Dorfes Avgaria auf Euböa

Brände auf Euböa weiter außer Kontrolle

Die größte Fläche ist den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge bisher auf der Insel Euböa verbrannt. Rund 51.000 Hektar Wald liegen dort bereits in Asche. Auf Euböa ist die Lage jedoch alles andere als unter Kontrolle. Die großen Waldbrände lodern weiterhin unkontrolliert, wenngleich es in der Nacht auf Dienstag Feuerwehr, Anrainern und Freiwilligen erneut gelungen ist, mehrere Orte vor den Flammen zu schützen. Allerdings seien Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen um die Dörfer verbrannt, berichteten griechische Medien.

Allmählich besteht Hoffnung auf eine Besserung der Situation auf der zweitgrößten griechischen Insel. Zum einen ist so viel verbrannt, dass das Feuer stellenweise von allein erlischt, weil die Flammen keine Nahrung mehr finden. Zum anderen sind die meisten anderen Brände im Land mittlerweile unter Kontrolle, und die Einsatzkräfte können sich auf Euböa konzentrieren. Als weiterer positiver Faktor gilt, dass es am Dienstag in der Region keinen starken Wind gab, der die Flammen zusätzlich hätte anheizen können. Auch die Halbinsel Peloponnes ist stark betroffen, dort sollen laut den Expertinnen und Experten in der Region des antiken Olympia 10.000 Hektar verbrannt sein.

Bild zeigt einen Brand in der Nähe des Dorfes Ikizce, in der provinz Mugla.
Reuters/Umit Bektas
Ein Brand in der Nähe de Dorfes Ikizce in der türkischen Provinz Mugla

Aufatmen in der Türkei

Rund zwei Wochen nach Ausbruch der schlimmsten Brände seit mehr als zehn Jahren in der Türkei hat sich die Lage weitgehend entspannt. In der südwesttürkischen Provinz Mugla war am Dienstag nach offiziellen Angaben noch ein Brand außer Kontrolle. Dort erschwerten Hitze und starke Winde weiter die Löscharbeiten. Seit Ende Juli waren in der Türkei mehr als 200 Brände ausgebrochen, etwa die Hälfte der 81 Provinzen waren betroffen. Besonders große Zerstörung hat das Feuer in den Küstenprovinzen Antalya und Mugla angerichtet.

Alleine in Mugla verbrannten lokalen Behörden zufolge mehr als 66.000 Hektar Land. Schätzungen zufolge wurden insgesamt etwa 150.000 Hektar (1.500 Quadratkilometer) Land zerstört – eine Fläche fast dreimal so groß wie der Bodensee. Zur Brandursache wird weiter ermittelt.

Dramatische Auswirkungen auf Tourismus

Die Nachrichten von den Bränden in bei Urlaubern beliebten Ländern und Regionen haben etwa in der Türkei dramatische Auswirkungen auf den ohnehin durch die Pandemie gebeutelten Tourismus. Der Verband der Hoteliers und Betreiber in der südlichen Ägäis, GETOB, hat einen Aufruf gestartet und Menschen gebeten, ihren Urlaub in den betroffenen Gebieten zu verbringen, um diesen wieder auf die Beine zu helfen.

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes und machte laut Statistik 2019 vor der CoV-Krise elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Im vergangenen Jahr war er jedoch um 70 Prozent eingebrochen.