NGO: Weit verbreitete Gewalt gegen Frauen im Tigray-Konflikt

Beim Konflikt in der äthiopischen Krisenregion Tigray war systematische Gewalt gegen Frauen und Kinder laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bisher weit verbreitet.

Angehörige der äthiopischen Streitkräfte, des eritreischen Militärs, der paramilitärischen Spezialpolizei der Region Amhara und der amharischen Miliz FANO setzten auf grausame Weise sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ein, heißt es in einem heute veröffentlichten Amnesty-Bericht.

Frauen und Mädchen wurden Opfer von Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, sexueller Versklavung, Verstümmelung der Genitalien und anderer Folterformen.

„Kriegsverbrechen“

„Diese Verbrechen sind Kriegsverbrechen und mutmaßlich auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, betont Amnesty. Die Opfer seien mehrfach gedemütigt und zum Teil vor ihren Familienmitgliedern vergewaltigt worden; oft habe es diskriminierende Beleidigungen mit ethnischem Bezug und Todesdrohungen gegeben.

Amnesty sprach zwischen März und Juni mit 63 Überlebenden von Vergewaltigung und anderer sexualisierter Gewalt sowie mit Gesundheitseinrichtungen in Tigray. Die registrierten 1.288 entsprechende Fälle allein von Februar bis April 2021. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen.

Die Zentralregierung in Addis Abeba hatte in der Tigray-Region im November eine achtmonatige Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin dort an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen ihr und der Zentralregierung.

Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, bis Regierungschef Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam. Im Juni hatte die Zentralregierung dann überraschend eine einseitige Waffenruhe verkündet, die die Kämpfe aber nicht stoppte. Der Konflikt hat Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben.