Beige Farbe läuft über beige Wand
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Beige

Langweilerin als Trendfarbe

Ob Kleidung oder Wohnungseinrichtung: Beige liegt voll im Trend. Die Naturfarbe findet sich nämlich nicht mehr nur in Omas Kleiderschrank und Badezimmer wieder – Stichwort „Bahamabeige“ –, sondern sogar in modernen Kinderzimmern. Doch was macht den Reiz des sandigen Erdtons aus, der Instagram und Co. flutet?

Vieles ist beige. Die Gebäude der Wiener Ringstraße, vertrocknete Felder und nikotinverfärbte Vorhänge. Seit Neuestem sind auch die Schaufenster von Geschäften voll mit Beige, der Anzug von US-Präsident Joe Biden, das neue Billie-Eilish-Album und die Wohnung der Entrepreneurin dariadaria, wie ihre Social-Media-Profile verraten. Ein schneller Blick in die Farbenlehre zeigt: Beige bedeutet Beruhigung, Entspannung, Ausgleich und Wohnlichkeit – oder wie manche sagen würden: Langeweile.

Einer lockdowngeplagten Gesellschaft kommt dabei vielleicht eine Frage in den Sinn: Ist Beige die Farbe der Pandemie? In jedem Fall die der Ruhe und der Ausgeglichenheit, glaubt man der Farbpsychologie. Doch Beige ist nicht gleich Beige. Die Farbe umfasst per Definition eine Folge von unbestimmten warmen und weißlichen Brauntönen. Daneben gibt es Grünbeige, Braunbeige, Graubeige und Perlbeige.

Model vor einer Modenschau von Alberta Ferretti
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Beige auf dem Laufsteg und überall

Modemagazine raten übrigens dazu, Beige mit anderen Farben zu kombinieren, damit es nicht ganz so fad wird. Entweder Ton-in-Ton-Kombinationen, zum Beispiel mit Braun, Weiß, Hell- und Mittelgrau oder aber auch mit Apricot, Hellblau und Flieder. Eine andere Möglichkeit, die Tristesse modisch zu umschiffen und dennoch nicht auf die angebliche Trendfarbe 2021 verzichten zu müssen, ist dem Modemagazin „Harper’s Bazaar“ zufolge der Materialmix: Etwa beigefarbenes Wildleder mit Seide.

Mythos: Hell ist im Sommer nicht immer besser

Ein Mythos ist übrigens, dass es im Sommer besser sei, helle als dunkle Kleidung zu tragen, um sich dadurch vor Hitze zu schützen. Dunkle Kleidung schützt unsere Haut neuen Erkenntnissen zufolge besser vor Sonnenbrand: Dunkle Farbe nimmt die Strahlung zwar auf, reflektiert aber den Infrarotanteil und schützt so den Körper.

Barack Obama und Joe Biden in beigen Anzügen
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Barack Obama machte es in seiner Amtszeit als US-Präsident vor, Biden zieht nach: Beige ist präsidial.

Helle Stoffe hingegen reflektieren die Wärme des Körpers nach innen, was den Körper zusätzlich aufheizt. Außerdem lassen sie die Hitze leichter durch die Kleidung und unser Körper wärmt sich noch schneller auf. Viel wichtiger als die Farbe ist laut Expertinnen und Experten aber, im Sommer besonders auf luftige Kleidung zu achten.

Farbe des Klimaschutzes?

Offiziell auch als Naturfarbe bekannt, versinnbildlicht Beige genau das: Natur und die Verbundenheit damit. Es ist kein Geheimnis, dass Umwelt- und Klimaaktivismus nicht nur unerlässlich sind, um Politikerinnen und Politikern Druck zu machen, die Erderwärmung einzudämmen, sondern auch voll im Trend liegen. Klimaschutzaktivistinnen wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer zeigen das deutlich. Sie sind Ideengeberinnen, Idole und Trendsetterinnen. Nicht zufällig wurde Thunberg zuletzt auch von der „Vogue“ abgelichtet – in Beige.

Dazu wies die 18-Jährige auf Instagram auf Probleme hin, die mit schneller Mode einhergehen. „Die Modeindustrie trägt erheblich zur Klima- und Umweltkrise bei, ganz zu schweigen von ihrem Einfluss auf die unzähligen Arbeiter und Gemeinschaften, die auf der ganzen Welt ausgebeutet werden, damit einige Fast Fashion genießen können, die viele als Wegwerfartikel behandeln", so Thunberg.

Die Greenwashing-Falle

Dabei versuchten manche in der Branche mit kostspieligen Kampagnen, den Eindruck zu erwecken, nachhaltig, klimaneutral und fair zu sein, schrieb die 18-Jährige. Es handle sich dabei aber fast immer um reines Greenwashing – also Maßnahmen, mit denen sich Unternehmen ein grünes Image verleihen wollen, ohne wirklich etwas für Klima und Umwelt zu tun. Die Kleidung, die sie auf den „Vogue“-Bildern trage, sei aus nachhaltigem, recyceltem Material gemacht, sagte Thunberg.

Nicht nur kleinere nachhaltige Labels, sondern auch Massenmodelinien spielen mit Naturfarben – und suggerieren damit einen „grünen“ Eindruck. Das Schwarzfärben von Textilien benötigt wesentlich mehr Wasser und schädliche Chemikalien als hellere Schattierungen. Dennoch ist nicht jedes helle Kleidungsstück nachhaltig, denn Stoffe werden umgekehrt auch gebleicht. Besonders das Bleichen mit Chlor ist für die Umwelt problematisch. Es empfiehlt sich daher ein genauer Blick auf die Nachhaltigkeitsgütesiegel – auch bei heller Kleidung.

Beige ist praktisch

Insbesondere bei der Wohnungseinrichtung gesellt sich gerne ein grüner Farbtupfer zum beigefarbenen Einheitsbrei, etwa in Form von Topfpflanzen. Das wirkt stimmig, gemütlich, und man holt sich damit ein Stück Natur in die Wohnung. Beige bei der Einrichtung ist jedoch alles andere als neu.

Beiges Badezimmer
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Klassisches österreichisches Badezimmer in Bahamabeige

In den 1960ern und 1970ern waren Badezimmermöbel und Toiletten in „Bahamabeige“ besonders en vogue. Die Farbe nahm Einzug in die heimischen Wohnungen, in einer Zeit, in der es immer wichtiger wurde, dass ein Haushalt vor allem praktisch ist. Während Frauen nicht mehr ausschließlich Hausfrauen waren, sondern auch der Lohnarbeit nachgingen, erwies es sich durchaus als nützlich, dass man in beigefarbenen Badezimmern den Dreck nicht so sah. Schließlich blieb es den Frauen nicht erspart, trotz Lohnarbeit auch noch Hausfrau zu sein.

Beigefarbene Einrichtung, der man trotz ihres Comebacks jegliche Fröhlichkeit leider absprechen muss, punktet dennoch sogar bei Kinderzimmern. Lang vorbei sind die Zeiten von Rosa und Blau. Beige geht immer, Beige ist geschlechtsneutral. Das stößt auf Instagram bei vielen Eltern auf Begeisterung, andere wiederum bedauern die Farblosigkeit als zu viel des Guten – ein besonders fragwürdiger Trend sind beispielsweise beigefarbene Regenbogen. Denn was nicht beige ist, wird zumindest auf Instagram gerne beige gemacht. Wozu gibt es letztlich Filter?