Großes Krabbeln

Comeback der Bettwanzen

Herbstzeit ist Schädlingszeit. Verschiedene Insekten bahnen sich ihre Wege durch Wohnungen und Häuser. Besonders einer Übeltäterin fällt es nun wieder leicht vorzudringen: der Bettwanze. Doch hat das nichts mit der Jahreszeit zu tun, Grund ist die wiederkehrende Reisetätigkeit von Menschen, insbesondere in Großstädten wie Wien und anderen beliebten Tourismusgegenden.

„Die Bettwanzen haben jetzt zwei Jahre lang Corona-Pause gehabt“, erklärt Schädlingsbekämpferin Marianne Jäger gegenüber ORF.at. „Es sind keine Gäste gekommen. Auch wir sind nirgendwo hingefahren, und es ist auch niemand von irgendwoher zurückgekommen.“ Doch mit der Aufweichung der coronavirusbedingten Beschränkungen ist auch für die Bettwanzen wieder alles beim Alten.

„Jetzt fangen wir wieder zu reisen an, es kommen Gott sei Dank wieder Gäste aus dem Ausland und bringen auch wieder Bettwanzen mit“, so die Expertin. Die etwa apfelkerngroßen Plagegeister sind also auch hierzulande kein neues Problem und sie kommen freilich nicht nur in Hotels, sondern auch in Privatwohnungen vor. Der Unterschied: „Zu Hause kommen die Menschen meistens erst später drauf, dass es Bettwanzen sein könnten“, sagt die Schädlingsbekämpferin.

„Kontrolle ist immer gut“

Bettwanzen beißen Menschen normalerweise im Schlaf, wobei sie von Wärme und CO2-Ausstoß angelockt werden. Die Bisse äußern sich durch mehrere verdächtige Stellen nebeneinander, die in der Regel wie Gelsenstiche aussehen und stark jucken. Doch zu identifizieren, dass es sich tatsächlich um Bettwanzenbisse handelt und vor allem, woher diese stammen, ist schwierig.

Bettwanzen auf einem Möbelstück
Manuel Matzner
Couchritzen sind ein beliebter Platz für Bettwanzen

„Wenn ich heute zum Beispiel in einem Hotel in Paris bin und ich werde dort gebissen, tauchen die juckenden Stellen erst ungefähr 24 Stunden später auf“, so Jäger. „Der Gast könnte sogar schon Bettwanzen ins Hotel mitgebracht und sie schon wieder weitergetragen haben, also wäre eine Kontrolle immer gut“, rät die Expertin.

Bettwanzen verstecken sich gerne in Fugen und Spalten, etwa beim Bettgestell, Lattenrost und abgesteppten Rändern von Polstern. Verdächtig seien auch kleine Blut- und Kotspuren auf dem Laken. „Eine Bettwanze sauft viel mehr Blut, als sie verdauen kann. Das heißt, gleich am Heimweg scheidet sie wieder Blut aus. Das macht auf dem Leintuch einen kleinen Fahrer, so als ob man eine Kruste aufreißen würde“, so Jäger.

„Nur eine Momentaufnahme“

Wie wichtig die aufmerksame Suche nach dem Ungeziefer und deren Eier ist, weiß Andreas Novotny, Betreiber der Apartmentvermittlungsfirma Welcome2Vienna. „Wir hatten einmal einen Befall“, erzählt er ORF.at. „Ein Gast hatte Beschwerden, wir haben sofort reagiert und die ganze Wohnung aussprühen lassen. Dem Gast haben wir alles refundiert“, so Novotny.

Danach habe man kein Problem mehr gehabt: „Wir haben in den Reinigungsplan aufgenommen, dass die Reinigungskräfte laufend auf Bettwanzen kontrollieren müssen“, so der Unternehmer, der seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schädlingsbekämpferin Jäger schulen lässt. „Sie wissen, wie die Eier ausschauen und müssen sofort Alarm schlagen, wenn sie auch nur den Verdacht auf Bettwanzen haben“, sagt Novotny.

Bettwanzen wieder auf dem Vormarsch

Weil die Menschen wieder mehr reisen, kommen auch Bettwanzen vermehrt vor.

Mit dem Preis und der Sternebewertung von Hotels und Apartments habe das übrigens gar nichts zu tun, zeigt sich Jäger überzeugt: „Bettwanzen sind nur eine Momentaufnahme.“ Gerade für stark frequentierte Hotels sei es „Glückssache“, wenn sie noch nie Bettwanzen gehabt hätten. Jäger empfiehlt Hotels daher, Personal dementsprechend zu briefen, damit schnell eingegriffen werden kann, um eine Kettenreaktion zu verhindern.

Die gängigsten Bekämpfungsmethoden

„Bei Verdacht kann man auch gleich etwas machen: Es gibt Sprays mit Diatomeenerde, das ist oft schon einmal die halbe Miete“, rät Jäger. „Die Tiere sterben ab, sie trocknen aus.“ Doch zumeist reicht das alleine nicht aus und es muss ein Profi ans Werk. Am häufigsten wird von der chemischen Variante mittels Kontaktinsektizid und Entwicklungshemmer Gebrauch gemacht. Es ist mit rund 300 bis 600 Euro (je nach Größe der Wohnung) die kostengünstigste professionelle Variante. „Der große Nachteil dieser Variante ist, dass es eine Zeit dauert, bis die Bettwanzen sterben“, erläutert Schädlingsbekämpfer Manuel Matzner gegenüber ORF.at im Detail.

Auch oft eingesetzt, so der Experte, werde die Thermobehandlung. „Man heizt den Raum auf 60 Grad auf, sodass man auch im letzten Winkel 45 Grad hat“, so der Experte. „Das ist, wie wenn man ein Ei kocht. Durch die Wärme beginnt das Eiweiß im Tier zu stocken und es stirbt. Damit ist man innerhalb von 24 Stunden bettwanzenfrei.“ Kosten: 600 bis 1.000 Euro.

Expertenrat: Nicht untätig bleiben

Eine relativ neue Technik funktioniert mit Wasserstoffperoxid und einem Insektizid. Der Vorteil: „Ich bin zwischen vier und sechs Stunden wieder bettwanzenfrei“, so Matzner. „Dann zerbricht das Wasserstoffperoxid in seine Einzelteile: In Wasser und Sauerstoff.“ Die Wasserstoffperoxid-Variante ist mit der teuersten Variante laut Matzner mit etwa 1.200 Euro zu beziffern.

Hund mit Leine in einem Zimmer mit Bett
Christian F. Kunz
Labrador Marley ist darauf trainiert, Bettwanzen aufzuspüren

Und wenn man gar nichts tut? „Sie vermehren sich weiter bis in alle Unendlichkeit, und neuere Kolonien wandern ab“, ergänzt Schädlingsbekämpferin Jäger. Eine Obergrenze, wie groß eine Kolonie werden kann, gibt es nicht. Bekämpfungs- und Meldepflichtig (der Hausverwaltung, dem Eigentümer oder der Behörde) sind Bettwanzen nicht. Für die Bekämpfung muss prinzipiell der Bewohner bzw. die Bewohnerin einer Wohnung selbst aufkommen – auch bei Mietwohnungen.

Hunde können Bettwanzen erschnüffeln

Doch man muss nicht warten und bangen, ob bzw. wann einmal eine Bettwanze auftaucht. Speziell ausgebildete Hunde machen es möglich, nahezu hundertprozentig und schon ab einem sehr frühen Stadium einen Befall festzustellen. Karin Kunz betreibt zusammen mit ihrem Hund Marley ein solches Bettwanzenspürteam.

„Wir können Bettwanzen aufsuchen und bestimmen, ob welche da sind oder nicht“, beschreibt Kunz – eine Strategie, die in der Prävention besonders wichtig ist und vor allem rasch und einfach vonstatten geht. Dennoch ist die Methode in Österreich nicht weit verbreitet. Derzeit gibt es über die zuständige Bedbug Foundation sechs Hunde, die für die Bettwanzenerschnüffelung zertifiziert sind – anders als etwa in Schweden und Australien, wo Hunde in der Schädlingsbekämpfung gang und gäbe sind.

In Windeseile hat ein Hund, der auf den süßlichen Geruch, den Bettwanzen verströmen, trainiert ist, das Insekt gefunden und schlägt an. „Er weiß natürlich nicht, dass Bettwanzen Schädlinge sind“, erläutert die Expertin das Können ihres Labradors. „Das Suchen macht ihm einfach großen Spaß, und es geht ihm um die Belohnung danach.“ Diese erhält Marley übrigens auch dann, wenn er keine Bettwanzen findet, denn schließlich ist das der größte Erfolg – zumindest für die Betroffenen.