London setzt nach Brexit stärker auf Handel mit Ostasien

Nach dem Brexit will Großbritannien seine Handelspolitik stärker auf aufstrebende Wirtschaftskräfte in Südost- und Ostasien ausrichten. Ein gestern veröffentlichter Bericht des Ministeriums für internationalen Handel kommt zu dem Schluss, das Zentrum der globalen wirtschaftlichen Gravitation entferne sich von Europa und verschiebe sich zum Indopazifik.

Zudem werde sich die weltweite Nachfrage nach britischen Digital- und Finanzdienstleistungen in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. Ressortchefin Liz Truss kündigte ein „globales Netzwerk von Handelsabkommen der nächsten Generation“ an.

Truss forderte ein forscheres Vorgehen und machte die jahrzehntelange britische EU-Mitgliedschaft für eine „defensive“ Haltung verantwortlich. „Verständlicherweise haben wir nach 50 Jahren in der protektionistischen EU vergessen, welche Handelsmacht wir waren“, sagte die Ministerin in einer Rede vor einer Denkfabrik. Manchmal fehle es an Selbstvertrauen. „Um neue Möglichkeiten zu nutzen, müssen wir einige unserer veralteten Annahmen und Einstellungen über Bord werfen.“

Großbritannien hatte zum 1. Jänner auch die EU-Zollunion sowie den Binnenmarkt verlassen. Seitdem hat der Handel mit der EU vor allem wegen neuer Zoll- und Bürokratievorschriften deutlich nachgegeben.