Algerien sperrt Luftraum für marokkanische Flugzeuge

Algerien hat seinen Luftraum für alle Flugzeuge aus dem Nachbarland Marokko gesperrt. Algeriens Präsidentschaft teilte in einer Erklärung mit, diese Schließung des Luftraums gelte ab „sofort“.

Die Entscheidung fiel gestern in einer Sitzung des Sicherheitsrates des Landes unter Vorsitz von Präsident Abdelmadjid Tebboune, der auch Verteidigungsminister ist. Als Grund für den Schritt wurden „andauernde Provokationen und feindliche Aktionen von marokkanischer Seite“ angegeben.

Auch keine Überflüge mehr möglich

Algerien hatte bereits am 24. August die diplomatischen Beziehungen zu Marokko abgebrochen. Die Grenze zwischen Algerien und Marokko ist schon seit 1994 offiziell geschlossen. Der algerische Luftraum war wegen der CoV-Pandemie im März gesperrt und Anfang Juni teils wieder geöffnet worden, nicht jedoch für Marokko.

Direkte Passagierflüge zwischen Algier und Marokko gibt es daher schon länger nicht mehr. Die Entscheidung betrifft aber auch den Überflug Algeriens durch marokkanische Flugzeuge.

Erneut Spannungen rund um Westsahara

Die traditionell schwierigen Beziehungen zwischen Algerien und Marokko waren durch den Streit um die Westsahara in jüngster Zeit erneut belastet worden. Das große Wüstengebiet ist zu fast 80 Prozent unter marokkanischer Kontrolle, dort gibt es eine Unabhängigkeitsbewegung, die von Algerien unterstützt wird.

Nach der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Israel, gefolgt von der Anerkennung der marokkanischen „Souveräntität“ über die Westsahara durch die USA, hatte Algier das deutlich kritisiert.

Algerien wirft Marokko und Israel zudem vor, zwei gegen Algier gerichtete „terroristische“ Gruppen zu unterstützen, darunter die Unabhängigkeitsbewegung für die Kabylei (MAK). Die Bewegung kämpft für die Unabhängigkeit der berbersprachigen Region im Nordosten Algeriens.