Kinderarmut belastet Gesundheit schon im Säuglingsalter

Armutsbetroffene Kinder und Jugendliche sind über ihr gesamtes Leben öfter krank und haben eine um fünf bis acht Jahre verkürzte Lebenserwartung.

Dieser schlechtere Gesundheitszustand zeigt sich schon im Säuglings- und Kleinkindalter, sagen nun sechs von zehn Ärztinnen und Ärzten in Österreich. Die gesundheitliche Situation von Kindern in Armut habe sich in der Coronavirus-Krise weiter verschlechtert, zeigt die Umfrage von Ärztekammer (ÖÄK) und Volkshilfe in mehreren Bundesländern.

„1,5 Millionen Menschen sind in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.“ Darunter seien knapp 350.000 Kinder und Jugendliche, so ÖÄK-Sprecher Hans-Peter Petutschnig bei einer Pressekonferenz in Wien. „Das ist jedes fünfte Kind“, erläuterte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger.

Es sei aus Studien unter anderem bekannt, dass Kinder von armutsbetroffenen Eltern ein niedrigeres Geburtsgewicht, eine geringere Körpergröße beim Schuleintritt und öfter Unfälle sowie chronische Krankheiten erleiden.

Häufig psychosomatische Symptome

86 Prozent der Ärzte bestätigen in der aktuellen Umfrage von ÖÄK und Volkshilfe, dass armutsbetroffene Kinder auch ihrer Einschätzung nach öfter krank sind. Der schlechtere Gesundheitszustand im Säuglings- und Kleinkindalter zeige sich vor allem im sprachlichen Bereich, bei der Zahngesundheit und im motorischen Bereich.

Das geht aus den Antworten der 448 teilnehmenden Ärzte der in Wien, Niederösterreich, Salzburg, Kärnten, Vorarlberg und dem Burgenland unter Medizinern durchgeführten Umfrage hervor.

41 Prozent der Umfrageteilnehmer beobachten bei Kindern aus armutsgefährdeten Familien häufig psychosomatische Symptome. Fenninger verwies auch auf Mobbing und Stress. Für eine bessere Absicherung des Gesundheitszustands von armutsbetroffenen Kindern forderten die Mediziner vor allem kostenlose Therapien für Kinder bei medizinischer Notwendigkeit.

Außerdem sollten Maßnahmen zur Mund- und Zahngesundheit gratis sein und die Krankenkassenplätze für Psychotherapie erweitert werden. 76 Prozent der Befragten sagen auch, dass es eine starke finanzielle Absicherung von Kindern und Jugendlichen braucht, um gesundheitliche Ungleichheit auszugleichen.

Mückstein: „Erschreckende“ Ergebnisse

„Die Ergebnisse der präsentierten Umfrage sind erschreckend. Gesundheit darf in Österreich keine Frage von Wohlstand sein“, reagierte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in einem Statement gegenüber der APA.