Grafik zur 7-Tages-Inzidenz
ORF.at
Nach Stagnation

Infektionszahlen steigen wieder an

Nachdem die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen auf einem Plateau verharrt sind, gibt es seit einigen Tagen wieder einen signifikanten Anstieg: Die 7-Tage-Inzidenz steigt deutlich, sie liegt mit Dienstag bei 183,3 – fast um 40 höher als vor sieben Tagen. Vor allem in einigen Bundesländern ist der Anstieg groß. Die Zahl die Hospitalisierten ist derzeit stabil. Dafür gibt es ebenso Gründe wie für die Annahme, dass sie dennoch bald steigen könnte.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz haben seit einiger Zeit Oberösterreich (264,4) und Salzburg (253,3). Dort ging der Trend zuletzt stark nach oben, allerdings auch in Niederösterreich, Tirol und der Steiermark. In Wien, Kärnten, dem Burgenland und auch in Vorarlberg entwickelte sich die Inzidenzkurve nicht ganz so steil nach oben.

Ein Anstieg Mitte Oktober – damals folgte ja die große zweite Welle – war auch im Vorjahr zu beobachten, allerdings noch mit anderen Vorzeichen. Der Anstieg setzte nicht schon so stark im August und September ein, wie das in den vergangenen Monaten zu beobachten war. Ein Plateau wie heuer gab es ebenfalls nicht.

Viele Unterschiede zum Vorjahr

Die Hauptunterschiede: Damals gab es 15.000 bis 20.000 Tests am Tag. Jetzt sind es bis zu 400.000 pro Tag. Damit ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer heuer weit niedriger ist. Die jetzt kursierende Delta-Variante ist weit ansteckender als die im Vorjahr vorherrschende Wildvariante. Und damals gab es auch keine Impfung.

Nach Altersgruppe unterschieden, bietet sich seit Schulbeginn ein ähnliches Bild: Die Fünf- bis 14-Jährigen weisen die höchste Inzidenz auf, was wenig überraschend ist. Das ist die einzige Altersgruppe, die flächendeckend und andauernd getestet wird sowie zu einem Großteil noch nicht für eine Impfung zugelassen ist. Dominieren junge Erkrankte das Epidemiegeschehen, so ist auch in den Spitälern wenig Anstieg zu erwarten, nachdem Junge ohne Vorerkrankungen selten bis nie schwer erkranken.

Durchschnittsalter steigt

Zuletzt ist allerdings bei allen Altersgruppen – abgesehen von den unter Fünfjährigen, die stabil wenige Fälle aufweisen – ein Anstieg erkennbar. Und auch das Durchschnittsalter der Infizierten stieg zuletzt wieder auf rund 36 Jahre an.

Vor allem bei den Ungeimpften war zuletzt – in allen Altersgruppen – ein deutlicher Knick nach oben in der Infektionskurve zu beobachten.

Sieht man sich dabei nur die symptomatischen Fälle an, fällt dieser weit geringer aus. Hier ist die Tendenz weniger sprunghaft.

Mehr Geimpfte, mehr Impfdurchbrüche

Dennoch: Vor allem ein Anstieg der Infektionen bei über 60-jährigen Ungeimpften lässt auch wieder einen Anstieg der Hospitalisierten befürchten. Je mehr Menschen insgesamt infiziert werden, desto eher werden auch mehr geimpfte Personen darunter sein.

Die Impfstoffe sind ja zu einer Verhinderung einer Erkrankung zugelassen – und eigentlich nicht zur Verhinderung einer Ansteckung. Auch das leisten sie zu einem Teil, aber eben nicht vollständig. Mit der Zahl der Geimpften sinkt also die absolute Zahl der Erkrankten, unter diesen steigt aber der Prozentanteil der Geimpften.

Zu beobachten ist jedenfalls ein leichtes Steigen der Impfdurchbrüche. Definiert sind sie als symptomatische Erkrankungen trotz vollständiger Impfung. Symptome können auch nur leichtes Halskratzen und Husten sein – aber auch schwerwiegendere Symptome. Und Letzteres tritt wiederum eher bei Hochbetagten und Menschen mit Vorerkrankungen auf. Angesichts von Hinweisen auf einen nachlassenden Impfschutz wird vor allem dieser Gruppe eine dritte Impfung empfohlen.

Steigende Zahlen auch in anderen Ländern

Steigende Fallzahlen gibt es derzeit auch in anderen Ländern: In Großbritannien stiegen die Infektionen schon im Juni stark an und blieben den gesamten Sommer auf hohem Niveau, ehe sie dieser Tage weiter zu steigen begannen. Die Zahl der Hospitalisierten ist auf beträchtlichem, aber nicht besorgniserregendem Niveau stabil. Starke Anstiege in den Infektionszahlen verzeichneten zuletzt auch die Niederlande.

Die Hotspots in Europa liegen aber derzeit im Baltikum und auf dem Balkan. In Lettland beträgt die 7-Tage-Inzidenz derzeit 1.200, Estland und Litauen gehen auf 900 zu. Rund um diesen Wert liegt auch Serbien derzeit. Montenegro, Slowenien und Kroatien liegen deutlich dahinter. Tendenz aber stark steigend. Und in Serbien wie auch Slowenien ist der Belag der Krankenhäuser weit über dem anderer Länder.