Schwangere stirbt: Polen demonstrieren gegen Abtreibungsgesetz

Der Tod einer 30 Jahre alten schwangeren Frau hat gestern Abend Proteste in mehreren Städten Polens ausgelöst. Wie der TV-Nachrichtensender TVN24 heute berichtete, hatten die Ärzte im Krankenhaus der südpolnischen Stadt Pszczyna nicht gewagt, das Leben der Frau durch einen Schwangerschaftsabbruch zu retten. Stattdessen hätten sie darauf gewartet, bis der geschädigte Fötus im Mutterleib von selbst abstirbt.

Die Anwältin Jolanta Budzowska hatte vergangene Woche in digitalen Medien über den Fall informiert und das strenge Abtreibungsverbot Polens für den Tod der jungen Frau verantwortlich gemacht. Das polnische Verfassungsgericht hatte vor einem Jahr fast alle Ausnahmeregeln des strengen Abtreibungsgesetzes aufgehoben. Seither ist ein Schwangerschaftsabbruch auch dann verboten, wenn der Fötus schwer geschädigt ist.

Frauenrechtsorganisationen hatten zu Protestkundgebungen unter der Parole „Nicht auch nur eine mehr!“ aufgerufen. Hunderte Frauen und Männer versammelten sich in Pszczyna und zahlreichen anderen Städten des Landes. Der Leiter des Krankenhauses bat gegenüber TVN24 darum, keine voreiligen Urteile zu fällen. Der Tod der jungen Frau werde derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht.