Nach von der Leyen auch Johnson in Privatjet-Kritik

Weil er den UNO-Weltklimagipfel per Privatjet verlassen hat, ist der britische Premierminister Boris Johnson heute in die Kritik geraten. Zuvor gab es auch Wirbel über einen 19-minütigen Privatjetflug von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen von Wien nach Bratislava.

Zeitung: Johnson flog zu Essen in Privatclub

Einem Bericht des „Daily Mirror“ zufolge setzte sich Johnson daraufhin in einen Privatjet und flog zu einem Dinner in einem exklusiven Club in London, dessen Mitgliedschaft nur Männern vorbehalten ist.

Er soll dort den früheren Chefredakteur des „Daily Telegraph“ und bekennenden Klimaskeptiker Charles Moore getroffen haben. „Das ist atemberaubende Heuchelei vom Premierminister“, sagte Anneliese Dodds von der oppositionellen Labour-Partei dem „Mirror“.

Ein Regierungssprecher hatte die Reisepläne Johnsons mit dem Flugzeug noch am Montag damit gerechtfertigt, der Premier müsse in der Lage sein, mit erheblichem Zeitdruck zurechtzukommen.

In einer Mitteilung hieß es, Johnson habe eines der CO2-effizientesten Flugzeuge seiner Größe in der Welt genutzt – mit dem nachhaltigsten Kraftstoff. Großbritannien werde alle CO2-Emmissionen, die mit dem Klimagipfel in Verbindung stünden, neutralisieren, so die Mitteilung weiter.

„Ökologische Sünde“

Von der Leyen wurde indes vorgeworfen, von Wien ins nahe gelegene Bratislava geflogen zu sein. Der Generalsekretär des Europäischen Steuerzahlerbundes, Michael Jäger, bezeichnete den Kurzstreckenflug im Gespräch mit der deutschen „Bild“-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe) als „ökologische Sünde“.

Ein Sprecher der EU-Kommission rechtfertigte den Flug gegenüber der Zeitung: „Mit Abflug und Ankunft in Belgien waren es bei dieser Reise der Präsidentin sieben Länder in zwei Tagen. Alternativen wurden geprüft, doch es gab logistisch keine andere Möglichkeit.“

Noch am selben Abend sei von der Leyen mit dem Privatflugzeug nach Riga geflogen. „Hinzu kommt, dass es wegen Corona Bedenken gab, Linienflüge oder Züge zu nutzen“.