„Experiment“ Dänemarks: Grönländer fordern Entschädigung

Sechs Inuit Grönlands, die 1951 im Kindesalter im Zuge eines sozialen Experiments nach Dänemark gebracht worden sind, fordern den dänischen Staat zu Entschädigungszahlungen auf.

Die Inuit – allesamt in ihren 70ern – sind die Überlebenden einer Gruppe von 22 Personen, die Anfang der 1950er ihre Heimat zurücklassen mussten, weil sie als „kleine Dänen“ aufgezogen werden sollten, heißt es in der BBC. Als die Kinder nach Grönland zurückkehrten, wurden sie in einem Waisenhaus untergebracht. Viele von ihnen sahen ihre Familien nie wieder.

Premierministerin entschuldigte sich

Die sechs noch lebenden Inuit verlangten je 33.500 Euro, heißt es seitens der Verteidigung. Die dänischen Behörden äußerten sich bisher nicht zu den Forderungen. Im Vorjahr hatte sich die dänische Premierministern Mette Frederiksen formell für das Vorgehen Dänemarks entschuldigt. Eine der Betroffenen, Helene Thiesen, unterstrich damals die Bedeutung dieser Entschuldigung.

Familien hofften teils auf bessere Zukunft

Grönland ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark. 1951 entschieden sich die dänischen Behörden dazu, Grönland zu modernisieren und einen neuen Typ Grönländer zu „schaffen“. Lehrende wie Priester sollten damals Kinder auswählen, die ihrer Ansicht nach in Dänemark umerzogen werden konnten und in der Folge als Vorbilder nach Grönland zurückkehren sollten.

Einige Familien zögerten, andere sagten zu – viele hofften laut BBC, dass ihre Kinder ein besseres Leben erwartet. Den Kindern wurde nach der Ankunft in Dänemark der Kontakt zu ihren Familien untersagt, viele hatten mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen und wurden in Pflegeheimen untergebracht.