Künstler Josephine Baker auf der Bühne
picturedesk.com/AFP
Revuestar und Spionin

Frankreich „adelt“ Josephine Baker

Im Frankreich der 1920er Jahre wurde sie mit ihrem Tanz im Bananenrock zur Ikone. Für das Land riskierte Josephine Baker später als Widerstandskämpferin und Agentin der Spionageabwehr ihr Leben. Dafür ist Baker als erste schwarze Frau am Dienstagabend ins Pariser Pantheon überführt worden – und gilt damit postum als französische Nationalheldin.

Die Verlegung der letzten Ruhestätte der 1975 verstorbenen französisch-amerikanischen Tänzerin, Sängerin und Ikone der Goldenen 20er fand im Rahmen einer über einstündigen Zeremonie im Beisein von Familienangehörigen und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron statt.

Der Präsident, der die „Pantheonisation“ Bakers wie üblich auf Vorschlag der Nationalversammlung bestimmte, würdigte sie in seiner Ansprache als mutige und immer fröhliche Kämpferin, die „als freie Bürgerin würdig und entschlossen gekämpft“ habe. Ihr sei es dabei vor allem um die Gleichheit aller gegangen, sagte der Staatschef in seiner Rede.

„Werte der Republik verkörpern“

Wer in Frankreichs Ruhmestempel liegt, gehört zu den Großen der französischen Geschichte wie Voltaire, Victor Hugo, Emile Zola, Simone Veil und Marie Curie. Zu den Helden der Franzosen gehörten bisher 75 Männer und nur fünf Frauen. Baker wurde die sechste. Um ins Pantheon zu kommen, genüge es nicht, ein großer Künstler zu sein, teilte der Elysee-Palast im Vorfeld der Zeremonie mit. Man müsse die Werte der Republik verkörpern und sich für Frankreich engagiert haben.

Paris: Josephine Baker zieht im Pantheon ein

46 Jahre hat sich Frankreich Zeit gelassen – nun wurde die Tänzerin, Widerstandskämpferin und Bürgerrechtlerin Josephine Baker in einer großen Zeremonie im Pantheon aufgenommen. Sie ist die erste schwarze Frau, der ein Platz in diesem Ruhmestempel der Französinnen und Franzosen eingeräumt wird. Damit gilt sie postum als französische Nationalheldin.

Anfänge am Mississippi

Baker wurde als Freda Josephine McDonald 1906 in St. Louis in den USA als Tochter einer 21-jährigen Waschfrau geboren. In der Stadt am Mississippi herrschte ein krudes rassistisches Klima, ein großer Teil der schwarzen Bevölkerung lebte in Armut. Über die Vaterschaft existieren mehrere Versionen, wie Mona Horncastle in ihrer Biografie „Josephine Baker: Weltstar, Freiheitskämpferin, Ikone“ (2020) herausarbeitete. Jedenfalls empfand sich Baker, die einen helleren Teint als ihre Geschwister hatte, oft als „zu weiß für die Schwarzen und zu schwarz für die Weißen“.

Bereits mit acht Jahren musste sie als Dienstmädchen ihren Lebensunterhalt verdienen, mit 13 heiratete sie ein erstes, mit 15 ein zweites Mal – den Zugbegleiter William Baker, dessen Namen sie als Bühnennamen behalten sollte.

Künstler Josephine Baker auf der Bühne
picturedesk.com/Everett Collection/Courtesy Everett Collection
Baker steht sinnbildlich für die 1920er Jahre – und die schwarze Emanzipation in der Unterhaltungsindustrie

Zu dieser Zeit trat Baker bereits als Tänzerin bei Vaudevilleshows, laut Horncastle „ein bunter Theatermix aus Musik, Tanz, Komik und Akrobatik“, auf. Bereits 1921 wurde Baker als Darstellerin im Musical „Shuffle Along“ in New York zum Star. Dieses erste erfolgreiche Broadway-Musical mit ausschließlich schwarzen Darstellerinnen und Darstellern „choreografierte dynamische, erotische und unterhaltsame Tanzelemente mit eigenständigem Charakter“.

Pariser Ikone

In Paris wurde sie schließlich zur Ikone – mit einem Bananenröckchen bekleidet eroberte sie im Theatre des Champs-Elysees die Zuschauer. Just in einer Zeit, als Schwarze in Kolonialausstellungen in rassistischer Weise als lebende Objekte hergezeigt wurden, wurde Baker als Tänzerin zum Vorbild für die Französinnen, wobei eine nicht minder rassistische Faszination für die skandalumwitterte Nackttänzerin mitspielte. Später trat sie als Sängerin und Schauspielerin in Erscheinung.

Das Datum für den Einzug in das Pariser Pantheon fiel mit Bedacht auf den Jahrestag der Hochzeit Bakers mit dem jüdischen Industriellen Jean Lion am 30. November 1937, wodurch sie Französin wurde. Ab 1939 spielte sie dann eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs.

Spionin für die Alliierten

Sie spionierte im Auftrag der alliierten Streitkräfte und nutzte ihre internationalen Reisen, um geheime Dokumente zu übergeben, die mit unsichtbarer Tinte auf Partituren geschrieben waren. In ihrer Unterwäsche trug sie auch geheime Fotos von deutschen Militäranlagen. Als erste Amerikanerin erhielt sie für ihre Dienste das französische Croix de Guerre und die Ehrenlegion.

Künstler Josephine Baker auf der Bühne
picturedesk.com/Everett Collection
Exotistische und rassistische Vorstellungen spielten bei Bakers Erfolgsauftritten eine große Rolle – nun ehrt Frankreich sie für ihre Verdienste im Widerstand

Frankreich habe sie zu dem gemacht, was sie sei. Sie werde dafür ewig dankbar sein, hatte Baker einst dem Offizier Jacques Abtey gesagt. Und hinzugefügt: Die Pariser hätten ihr alles gegeben, vor allem ihr Herz. Sie sei deshalb bereit, ihnen ihr Leben zu geben. Eines ihrer bekanntesten Lieder, „J’ai deux amours“, handelt von ihren beiden Lieben: ihrem Land und Paris.

Baker kehrte 1947 und 1951 in die Vereinigten Staaten zurück, um dort aufzutreten. Doch wurde sie Opfer der rassistischen Diskriminierung von Schwarzen im öffentlichen Leben. Anfang der 1960er Jahre reiste sie erneut nach Amerika, um die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King zu unterstützen. Sie adoptierte zwölf Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion als Symbol für Toleranz. Baker starb im April 1975 in Paris im Alter von 68 Jahren. Begraben wurde sie in Monaco.