Männergewalt an Frauen: Präventionsprojekt in Umsetzung

Anfang 2019 in Wien-Margareten als Pilotprojekt ins Leben gerufen, wurde die Initiative „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ vor einem halben Jahr auf ganz Österreich ausgeweitet.

An nun bundesweit 15 Standorten wird Präventionsarbeit betrieben, um auf die Vision einer gewaltfreien Gesellschaft hinzuarbeiten. Maria Rösslhumer, Gesamtkoordinatorin von StoP Österreich, sprach angesichts heuer 31 Femiziden und 55 Mordversuchen an Frauen von einer „alarmierenden Lage“.

Rösslhumer und mehrere ihrer Kolleginnen gaben im Rahmen einer Videokonferenz Einblick in die Arbeit von StoP. „Männergewalt an Frauen gab es schon vor der Pandemie und den Lockdowns, daher ist Corona nicht die Ursache der Männergewalt an Frauen“, stellte Rösslhumer fest.

Allerdings verschärfe die Pandemie die Situation. Obwohl Österreich an und für sich gute Gesetze und ein flächendeckendes Netz an Opferschutzeinrichtungen habe, sei das Ausmaß der Gewalt an Frauen und Kindern dennoch extrem hoch.

Rösslhumer: Echte Gleichstellungspolitik fehlt

Rösslhumer führte dafür mehrere Gründe an, unter anderem fehle eine echte Gleichstellungspolitik. „Dadurch schlittern viele Frauen und Mütter in die wirtschaftliche Abhängigkeit und in die Gewaltfalle“, so Rösslhumer.

Zudem wies sie auf ein „tief sitzendes patriarchales System bzw. Denk- und Verhaltensmuster gekoppelt mit Machtmissbrauch, Kontrolle und Besitzdenken“ hin, ebenso auf eine gesellschaftliche Frauenverachtung und verbal-sexistische Gewalt in der Sprache.

Es benötige einen gesellschaftlichen Wandel, und das sei der Punkt, an dem StoP ansetze. Das Projekt verbinde die Arbeit der Frauenhäuser, Beratungsstellen und Gewaltschutzzentren mit der Einbeziehung des Gemeinwesens. „Alle können einen Beitrag zur Zivilcourage gegen Partnergewalt leisten. Vor allem jene Menschen in der Nachbarschaft, im Umfeld der Betroffenen“, betonte Rösslhumer.