Feuerwehrkräfte löschen Feuer in Parlament in Kapstadt
AP/Leon Knipe
Großbrand

Südafrikas Parlament „komplett“ zerstört

Ein Feuer hat am Sonntag Südafrikas Parlament in der Touristenmetropole Kapstadt schwer beschädigt. Mehr als 70 Feuerwehrleute kämpften seit den frühen Morgenstunden gegen lodernde Flammen und versuchten verzweifelt, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Auch am Nachmittag war das Feuer noch nicht gelöscht, sagte dazu ein Parlamentssprecher, demzufolge der Sitz der Abgeordneten durch das Feuer „komplett“ zerstört worden sei.

„Der gesamte Plenarsaal, in dem die Abgeordneten sitzen, ist niedergebrannt“, zitieren Medien den Sprecher. Die Brandursache ist weiter unklar, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Im Fokus steht Medienberichten zufolge der wegen Sparmaßnahmen an Wochenenden und Feiertagen offenbar nicht im Dienst befindliche Wachdienst, aber auch eine möglicherweise nicht ausgelöste Sprinkleranlage.

Es stehe der Verdacht im Raum, dass jemand die Ventile geschlossen habe, zitiert das Nachrichtenportal News 24 die frühere Bürgermeisterin von Kapstadt und jetzige Ministerin der Provinz für Öffentliche Arbeiten und Infrastruktur Patricia de Lille. Nach Angaben von Präsident Cyril Ramaphosa wurde eine Person festgenommen. Ein 49-jähriger Mann wurde in Zusammenhang mit dem Feuer vernommen und im Anschluss verhaftet, hieß es dazu von der Polizei.

Feuerwehrkräfte löschen Feuer in Parlament in Kapstadt
Reuters/GCIS/Elmond Jiyane
Das Feuer war am Nachmittag weiter nicht gelöscht

Der Mann ist Agenturangaben zufolge in einem der Parlamentsgebäude gefasst worden und auf Aufnahmen von Sicherheitskameras zu sehen. Der Verdächtige soll nach Polizeiangaben am Dienstag vor Gericht erscheinen.

Bürgermeister gibt Entwarnung für Bibliothek

Zunächst waren die Behörden davon ausgegangen, dass der Brand hier gegen 4.00 Uhr (MEZ) ausgebrochen war. Parlamentssprecher Moloto Mothapo sprach später jedoch von „zwei Brandherden, die in zwei verschiedenen Teilen des Parlaments ausgebrochen sind“. Das Dach des alten Versammlungsgebäudes stürzte in der Folge ein. Das 1884 fertiggestellte Gebäude ist das älteste des Parlamentskomplexes und verfügt über einige holzgetäfelte Sitzungsräume.

Brand im Parlament in Kapstadt (Südafrika)
AP/Jerome Delay
Die meterhohe Rauchsäule vor dem Tafelberg

In dem historischen Gebäude befinden sich eine Sammlung seltener Bücher und eine Originalfassung der früheren südafrikanischen Nationalhymne „Die Stem Suid-Afrika“ (Die Stimme Südafrikas). Für die Parlamentsbibliothek gab Kapstadts Bürgermeister Geordin Hill-Lewis laut News24 aber vorsichtige Entwarnung. Es seien dort zwar durch Rauch entstandene Schäden zu befürchten – Feuer habe es in der Bibliothek aber keines gegeben. Unklar sei nach Angaben vom städtischen Sicherheitskomitees allerdings, inwieweit die vielen nationalen im Parlamentsgebäude befindlichen Artefakten zu Schaden gekommen seien.

Weiträumige Absperrungen

Die Feuerwehr musste im Laufe des Tages Verstärkung anfordern. Von einem Kran aus versuchte die Feuerwehr, die Flammen zu löschen. De Lille warnte, es könne noch mehrere Stunden dauern, bis das Feuer unter Kontrolle sei. Auf Fernsehbildern war zuvor zu sehen gewesen, wie riesige Flammen aus dem Dach des Gebäudes schlugen. Insgesamt besteht der Parlamentskomplex aus drei Teilen. Der neuere Gebäudekomplex, der von der heutigen Nationalversammlung genutzt wird, stammt aus den 1920er und 1980er Jahren.

Plenarsaal des südafrikanischen Parlaments in Kapstadt 2016
Reuters/Mike Hutchings
Der Plenarsaal des Parlaments vor dem Brand

Die Rettungskräfte riegelten die Straßen des Viertels rasch ab. Die Absperrungen reichten bis in die Nähe der Kathedrale, in der am Vortag die Trauerfeier für den Friedensnobelpreisträger und Bischof Desmond Tutu stattgefunden hatte und in der Tutu am frühen Sonntagmorgen in einer Urne beigesetzt wurde. Präsident Ramaphosa, der einen Tag nach der Trauerfeier noch in Kapstadt verweilte, sprach von einem verheerenden Ereignis. „Der Erzbischof wäre ebenfalls erschüttert gewesen, denn dies ist ein Ort, für den er betete, den er unterstützte und als Hort unserer Demokratie sah“, sagte Ramaphosa vor laufenden Kameras.

Parlament von Südafrika in Flammen

Im südafrikanischen Parlament in Kapstadt ist ein Brand ausgebrochen. Vor allem die Rückseite des aus drei Gebäuden bestehenden Parlamentskomplexes war betroffen. Die Rettungsdienste forderten Verstärkung an. Die Ursache für das Feuer ist noch unklar.

Kapstadt ist seit 1910 Sitz des südafrikanischen Parlaments, das aus der Nationalversammlung und dem Oberhaus – dem Rat der Provinzen – besteht, während die Regierung in Pretoria angesiedelt ist. Im Parlament in Kapstadt hatte der damalige Präsident Frederik Willem de Klerk 1990 das Ende des rassistischen Apartheid-Regimes erklärt.

Großbrand auf Tafelberg bereits im April

Schon im März hatte es in dem Gebäude gebrannt, das Feuer war aber schnell unter Kontrolle gebracht worden. Im April hatte ein Großbrand auf dem Tafelberg in Kapstadt für Verwüstungen gesorgt. Damals wurden rund 600 Hektar Fläche zerstört, in der von den Flammen schwer getroffenen Universität wurde neben zahlreichen anderen Gebäuden auch eine Bibliothek mit historisch wertvollen Büchern schwer beschädigt.

Der Tafelberg und der ihn umgebende Nationalpark stehen unter Naturschutz. Die für den dortigen Nationalpark zuständige Parkverwaltung Sanparks hatte erklärt, dass neben 170 Feuerwehrleuten auch 120 Ranger an der Feuerbekämpfung beteiligt waren. Heftige Winde verhinderten damals den Einsatz von Löschhelikoptern.