Impfnadeln neben Impfpass
picturedesk.com/Karl Schöndorfer
Omikron-Welle

Gefährliche Impflücke bei Älteren

Die Omikron-Welle nimmt auch in Österreich Fahrt auf. Auch wenn diese Variante des Coronavirus laut den Daten in anderen Staaten weit weniger schwere Verläufe hat als etwa die Delta-Mutation, bleibt ein Charakteristikum von SARS-CoV-2 erhalten: Besonders gefährdet sind neben Menschen mit Vorerkrankungen vor allem Betagte und Hochbetagte. Und hier klafft weiterhin eine Impflücke. Das hat sich bereits im Herbst gezeigt.

Darauf verwies auch unlängst Komplexitätsforscher Peter Klimek. Letztlich müsste jetzt alles daran gesetzt werden, die älteren Menschen in Österreich zur Boosterimpfung zu bewegen. Relativ glimpflich verlaufe die Omikron-Welle nämlich dort, wo um die 90 Prozent der über 60-Jährigen die Auffrischungsimpfung erhalten haben. In Österreich seien das aktuell aber weit weniger. Zum Schließen dieser „Impflücke“ blieben nur noch wenige Wochen Zeit, so Klimek.

Zwar weisen die Altersgruppen ab 65 (mit einer Ausnahme) mit aktiven Impfzertifikaten zwischen 87 und 91 Prozent die höchsten Durchimpfungsraten auf, in absoluten Zahlen offenbart sich aber doch eine gefährliche Lücke: Rund 40.000 aller über 75-Jährigen sind nicht geimpft, dazu kommen rund 83.000 ungeimpfte Menschen zwischen 65 und 74 Jahren.

Zwischen 72 und 81 Prozent geboostert

In dieser Altersgruppe haben rund 73 Prozent die dritte Impfung erhalten, bei den 75 bis 84-Jährigen sind es 78 Prozent der Frauen und 81 Prozent der Männer. Auch die Männer ab 85 sind zu 80 Prozent geboostert – deutlich hinter allen Gruppen liegen aber die Frauen in dieser Altersgruppe mit nur rund 72 Prozent, die eine dritte Impfung erhalten haben. Gleich 18 Prozent fehlt hier auch ein aktives Impfzertifikat. Wie viele Ältere einen gewissen Immunschutz durch eine durchgemachte Infektion haben, lässt sich anhand der öffentlichen Zahlen nicht sagen.

Britische Studie bestätigt Boostereffekt für Ältere

Dass Boosterimpfungen Senioren auch bei einer Infektion mit der Omikron-Variante einen hohen Schutz vor einem schweren Verlauf bieten, zeigte zuletzt eine Studie der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA. Drei Monate nach der Drittimpfung liege der Schutz vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bei rund 90 Prozent, wie die britische Gesundheitsbehörde.

Nach nur zwei Impfdosen liege der Schutz vor schweren Verläufen drei Monate nach der Impfung bei rund 70 Prozent, nach sechs Monaten noch bei 50 Prozent. Für die Studie wertete die britische Behörde die Daten von Senioren ab 65 Jahren aus, bei denen die Boosterimpfung bereits einige Monate zurücklag.

Impfpflicht für Ältere in einigen Ländern

Während Österreich auf eine generelle Impfpflicht setzen will, haben andere Länder diese nur für Ältere beschlossen. In Griechenland sind ab Sonntag Geldstrafen für ungeimpfte über 60-Jährige fällig. In Tschechien tritt eine Impfpflicht für alle Menschen ab einem Alter von 60 Jahren am 1. März in Kraft. Italien setzte das Alter mit 50 Jahren an, eine entsprechende Pflicht zur Impfung wurde vergangene Woche beschlossen, Geldstrafen drohen ab Februar.

Todesstatistik zeigt klares Bild

Um zu sehen, wie sehr viel mehr gefährdet ältere Personen durch das Coronavirus sind, zeigt ein Blick auf die Zahl der Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 seit Pandemiebeginn. Laut AGES-Zählung sind das bisher rund 13.500. 45 Prozent davon waren älter als 84, 77 Prozent 75 oder älter und fast 92 Prozent gehörten der Altersgruppe ab 65 Jahren an.

Die meisten Sterbefälle in Österreich wurden während der Herbstwelle 2020 verzeichnet, zeitweise lag Österreich dabei im traurigen Spitzenfeld – hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung. Das wiederholte sich – wenn auch in kleinerem Ausmaß – auch im November und Dezember vergangenen Jahres. Auch hier wies Österreich zeitweise eine sehr hohe coronavirusbedingte Sterberate auf – und das trotz verfügbarer Impfung.

Das bildet sich auch bei der Grafik des kumulierten, also zusammengerechneten Sterbegeschehens in der Pandemie ab. Wieder hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind hier die großen Wellen mit vielen Toten im vergangenen Winter in Großbritannien und Portugal abzulesen. Es ist aber auch zu sehen, dass der Verlauf in Österreich in den vergangenen Monaten steiler als in anderen Ländern war. So hat Österreich mittlerweile Schweden, das zu Pandemiebeginn viele Tote zu beklagen hatte, überholt.

Auch formal wächst die Impflücke

Auch abgesehen vom tatsächlichen Schutz durch die Impfung wird auch rein formal die Impflücke demnächst wohl größer. Wie die Regierung vergangene Woche beschlossen hat, wird die Gültigkeit des „Grünen Passes“ nach zwei Impfungen bzw. nach einer Kombination aus Genesung und mpfung auf 180 Tage, also rund sechs Monate, verkürzt. Bei zwei Impfungen sind es derzeit noch 270 Tage. Man reagierte dabei auf den mit der Zeit schwächer werdenden Schutz von zwei Impfungen gegen die Omikron-Variante.

Bis zum Monatsende müssen sich 897.000 Personen den Booster holen, sonst wird ihr Impfzertifikat ungültig, bestätigte das Gesundheitsministerium einen Bericht der „Salzburger Nachrichten“. Dafür müsste sich die derzeitige Impffrequenz aber mindestens verdoppelt. Zwischen 20.000 bis 40.000 Drittstiche werden derzeit durchschnittlich verabreicht.