Nach Tsunami: Tongaer will 27 Stunden im Meer überlebt haben

Wenige Tage nach der gewaltigen Eruption eines unterseeischen Vulkans vor Tonga sorgt nun die Geschichte eines Mannes, der infolge eines Tsunamis 27 Stunden im Meer überlebt haben will, für Aufsehen.

Im Interview mit dem tongaischen Radiosender Broadcom Broadcasting berichtete der 57-jährige Lisala Folau, dass er von den Tsunami-Wellen – die am Samstagabend an Land getroffen waren – ins Meer gerissen wurde. Der Mann lebt auf der Insel Atata, die nur etwa 60 Einwohnerinnen und Einwohner zählt.

Folau sagte, dass er gerade dabei war, sein Haus zu streichen, als sein Bruder ihn über den Tsunami informierte. Kurze Zeit später schwappte das Wasser in sein Haus. Folau kletterte erst auf einen Baum, wurde dann aber von einer Welle mitgerissen.

Er habe Gehschwierigkeiten, gab der Mann auch an. Laut seinen Schilderungen ließ er sich von den Wellen treiben und schwamm dann langsam zur über sieben Kilometer entfernten Hauptinsel Tongatapu. Tongatapu habe er letztlich nach 27 Stunden erreicht.

Erste Hilfsflüge gelandet

In dem Pazifikstaat trafen unterdessen die ersten Flüge mit dringend benötigten Hilfsgütern ein. Offiziellen Angaben zufolge landeten Militärmaschinen aus Australien und Neuseeland heute auf dem erst kurz zuvor von Vulkanasche befreiten Flughafen auf Tongatapu. Sie lieferten wichtige Güter wie Trinkwasser, Notunterkünfte, Generatoren und Hygieneprodukte, sagte die neuseeländische Außenministerin Nanaia Mahuta.

Transportmaschine der Royal Australian Air Force am Fua’amotu-Flughafen auf Tonga
AP/Australian Defence Force/HOGP

Die Flugzeuge brachten Telekommunikationsausrüstung für das abgelegene Land, das durch den Ausfall eines Unterseekabels nur sehr eingeschränkt mit der Außenwelt kommunizieren kann. Die ersten Bilder, die aus Tongas Hauptstadt Nuku’alofa übermittelt wurden, zeigen verbrannte Gebäude, umgestürzte Mauern und mit Felsbrocken, Baumstämmen und anderen Trümmern übersäte Straßen.

Lieferung von Hilfsgütern soll „kontaktlos“ erfolgen

Die Behörden hatten die mit einer bis zu 15 Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckte Landebahn auf dem Flughafen in den vergangenen Tagen mühsam freigeräumt. Nachdem dieses Hindernis nun beseitigt ist, beeilen sich die Länder, Hilfe zu schicken.

Japan hat die Entsendung von zwei C-130-Flugzeugen angekündigt, und Länder von China bis Frankreich haben zugesagt, dass sie ebenfalls Hilfe leisten werden.

Wegen der strengen CoV-Regeln, die Tonga praktisch frei von dem Virus gehalten haben, soll die Lieferung von Hilfsgütern allerdings „kontaktlos“ erfolgen. Besatzungen und Passagiere werden nur wenig Zeit auf dem Boden verbringen.

Der Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha’apai am Samstag war einer der schwersten seit Jahrzehnten und noch im weit entfernten Alaska messbar. In weitem Umkreis im Pazifik gingen Asche und saurer Regen nieder. Die Eruption führte sogar an weit entfernten Küsten von Japan bis zu den USA zu Flutwellen. Das ganze Ausmaß der Verheerungen in Tonga ist noch unklar.

„Noch nie da gewesene Katastrophe“

Die Regierung des Inselstaates sprach von einer „noch nie da gewesenen Katastrophe“. Sie bestätigte UNO-Angaben, wonach eine bis zu 15 Meter hohe Welle mehrere Inseln traf, darunter auch die Hauptinsel Tongatapu. Auf einigen abgelegenen Inseln seien fast alle Häuser zerstört. Mindestens 80 Prozent der gut 100.000 Einwohner des Archipels mit 170 Inseln sind nach UNO-Angaben von dem Unglück betroffen. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben.