„Man in Black“: Johnny Cash wäre 90

1932 in ärmlichen Verhältnissen in Kingsland im US-Bundesstaat Arkansas geboren, wurde John R. „Johnny“ Cash zu einem der erfolgreichsten Country-Stars aller Zeiten. Er spielte für US-Präsidenten und in Gefängnissen gleichermaßen und beeinflusste viele Künstler mit seinem speziellen Stil, einer Mischung aus Country, Rock’n’Roll, Blues, Folk und Gospel. Heute wäre er 90 geworden.

Johnny Cash, 1985
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Jüngeren Generationen ist Cash vor allem durch seine „American Recordings“ bekannt. In einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit Hip-Hop-Guru Rick Rubin entstand ab 1994 ein ambitioniertes Alterswerk. Für seine Version des Nine-Inch-Nails-Songs „Hurt“ wurde er noch kurz vor seinem Tod mit einem MTV-Award ausgezeichnet. Es war ein später Höhepunkt einer Karriere, die fast 50 Jahre umfasste.

Harte Kindheit

Seine Eltern waren arme Bauern und zogen insgesamt sieben Kinder groß. Als Kind musste Cash bei der harten Arbeit auf den Baumwollfeldern helfen. Die ersten Schritte zu einer musikalischen Karriere machte Cash nach dem Militärdienst. Er ging nach Memphis, schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und tourte durch die dortigen Clubs. Um den von ihm gewünschten Gitarren-Sound zu erreichen, klemmte er ein Stück Papier hinter die Saiten. „Boom-Chicka-Boom“ wurde dieses spezielle Schnarren später genannt.

Ein Plattenvertrag beim legendären Sam Phillips, der gerade Elvis Presley zum Star gemacht hatte, ebnete den Weg zu einer steilen Karriere. Mit seiner Band „The Tennessee Three“ veröffentlichte Cash 1955 seine erste Single mit den Songs „Hey Porter“ und „Cry, Cry, Cry“, die in ihrer Verbindung aus Rock und Country typisch für Cash waren. Bald folgte sein erster Nummer-eins-Hit und Grundstein für eine Weltkarriere: „I Walk the Line“.

„Liebe, Hass, Apfelkuchen und all das“

Er habe einfach immer Musik im Kopf, sagte der rastlose Cash einmal. „Entweder singe ich, oder ich höre einen Rhythmus in meinem Kopf, oder ich schreibe einen Song.“ Trotzdem blieb er Country als grundlegendem Stil stets treu. „Diese Musik spricht einfach unsere fundamentalen Gefühle an – Emotionen, Liebe, Trennungen, Hass, Tod, Mama, Apfelkuchen und all das.“

Johnny Cash und June Carter Cash, 1999
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Wegen seiner meist schwarzen Kleidung wurde Cash als „Man in Black“ bekannt. „Das ist einfach gemütlich“, meinte Cash. Nicht nur das: Angesichts des Leids in der Welt war Schwarz für Cash die angemessene Farbe. Sein eigenes Leben war von Düsternis geprägt: Die bittere Armut seiner Kindheit und der traumatische Unfalltod seines geliebten Bruders Jack waren für sein Schaffen ebenso maßgeblich wie die eigenen menschlichen Abgründe, Drogensucht und Alkoholmissbrauch.

Sich mit den eigenen Dämonen herumzuschlagen machte ihn auch empfänglich für die Nöte und Schwächen anderer. In vielen seiner Songs beschrieb der Sänger mit der markanten rauen Stimme das Leben der kleinen Leute, der Unterprivilegierten, der Minderheiten und war damit der erste zornig-kritische Country-Sänger. Das brachte ihn auch dazu, kostenlos in Gefängnissen aufzutreten. Legendär sind seine Konzerte in den Zuchthäusern von San Quentin und Folsom in Kalifornien, von denen es auch Liveaufnahmen gibt. Mit beiden Alben überflügelte Cash 1969 in den Verkaufszahlen sogar die Beatles.

Wechselhafte Karriere

In den 80er Jahren stagnierte seine Karriere. Er tingelte durch TV-Shows, schien musikalisch nichts mehr Neues zu sagen zu haben. Mit einer Ausnahme: Gemeinsam mit Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson gehörte Cash zur „Outlaw“-Bewegung, die sich gegen die immer glatter werdenden Country-Pop-Produktionen in Nashville auflehnte. 1985 schlossen sich die vier Stars zu „The Highwaymen“ zusammen. Ihr gleichnamiges Album wurde ein Wegbereiter des Alternative Country. Nach mehrjähriger Funkstille gelang dem Musiker dann durch die Zusammenarbeit mit Rick Rubin ein glänzendes Comeback.

Johnny und June

Mehr als drei Jahrzehnte war Cash mit der großen Liebe seines Lebens, der Sängerin June Carter, verheiratet. Die beiden traten gemeinsam auf und gelten als eines der bekanntesten Liebespaare der Country-Geschichte. June hatte auch großen Anteil an Hits wie „Ring of Fire“ und „Jackson“. Im Mai 2003 starb June – und Johnny nur vier Monate später. „Gott hat mir das Leben auf einem goldenen Teller serviert“, sagte Cash wenige Jahre vor seinem Tod. „Es war wunderschön.“

Johnny Cash und June Carter Cash, 1999
Reuters

Fast 20 Jahre nach seinem Tod ist es ruhiger geworden um Johnny Cash. Aber er hinterließ einen Werkkatalog von fast 1.500 Songs, 40 Alben und eine stattliche Anzahl von Hits wie „Folsom Prison Blues“, „Big River“, „I Got Stripes“ und „Cocaine Blues“.