Kunstrückgabebeirat empfiehlt mehrere Restitutionen

In seiner 99. Sitzung hat der Kunstrückgabebeirat heute Restitutionsempfehlungen beschlossen, die das KHM, das MAK und die Albertina betreffen. Der Nationalbibliothek wird eine Übereignung von Notenblättern an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus empfohlen.

Ein im Archiv des KHM gefundener, 1903 von Nathaniel Rothschild angelegter Katalog mit dem Titel „Notizen über einige meiner Kunstgegenstände“ wird zur Rückgabe empfohlen. Der Katalog war gemeinsam mit der Kunstsammlung Alphonse Rothschilds in dessen Palais in der Theresianumgasse beschlagnahmt und im Herbst 1938 in das neu geschaffene „Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen“ in der Neuen Burg überstellt worden.

Rückgabe von Wagner-Porträt empfohlen

Eine weitere Rückgabeempfehlung betrifft eine Porträtzeichnung Richard Wagners von Franz von Lenbach, welche die Albertina 1982 angekauft hat. Das Blatt hatte Adalbert Parlagi gehört, der NS-verfolgungsbedingt im Dezember 1938 mit seiner Familie nach London fliehen musste.

Eine Rückgabeempfehlung an die Rechtsnachfolger des verfolgten Industriellen und Kunstsammlers Oscar Bondy betrifft das Museum für angewandte Kunst, wobei es sich um eine Drachenvase handelt. Während acht Objekte aus dem MAK 1948/49 an Bondys Witwe restituiert wurden, verblieb die Drachenvase, 1952 als „Geschenk eines Ungenannten“ inventarisiert, bis heute im MAK.

Drei Objekte aus der ehemaligen Sammlung Bondys wurden hingegen nicht zur Restitution empfohlen. Diese erwarb das MAK nach 1945 vom Kunsthändler Blasius Fornach, der sie zuvor wiederum von Bondys Witwe kaufte, nachdem sie die Objekte restituiert bekommen hatte.

Keinem Voreigentümer konnten 810 Musiknotendrucke aus der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek zugeordnet werden. Hier empfahl der Beirat die Übereignung an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus zur Verwertung.