Hilfsappell per Video: „Höllische Reality-Show“

Nach der Rettung der letzten Zivilistinnen und Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Asow-Stahl-Werk in Mariupol haben die dort verschanzten ukrainischen Kämpfer einen eindringlichen Hilferuf gesendet. Er könne nur noch auf ein Wunder hoffen, schrieb der Kommandant der 36. Marineinfanteriebrigade, Serhij Wolyna, der von einer „höllischen Reality-Show“ sprach, gestern auf Facebook.

Mariupol ist seit Wochen praktisch vollständig unter russischer Kontrolle. Ukrainische Truppen können den eingekesselten Soldaten nicht helfen.

Asow-Stahlwerk
AP/

Beim Herausbringen von Zivilisten sind zuletzt laut Wolyna drei ukrainische Soldaten getötet und sechs verwundet worden. Beobachter gehen davon aus, dass russische Truppen das Stahlwerk nun so schnell wie möglich einnehmen wollen, um die vollständige Eroberung Mariupols verkünden zu können.

„Ganze Welt schaut dem interessanten Stück zu“

„Es scheint so, als ob ich in irgendeiner höllischen Reality-Show gelandet bin, in der wir Militärs um unser Leben kämpfen, und die ganze Welt schaut dem interessanten Stück zu!“, beklagte der 30-Jährige. Doch: „Schmerz, Leiden, Hunger, Qualen, Tränen, Angst, Tod – alles ist echt!“ Dazu postete Wolyna ein Foto von sich, auf dem er unrasiert, übernächtigt und mit offenbar verletzter Nase zu sehen ist.

Zuvor hatten Kiew und Moskau bekanntgegeben, die letzten Zivilisten seien aus dem Stahlwerk gebracht worden. Während für Moskau die Rettungsaktion damit abgeschlossen ist, will Kiew in einer zweiten Phase nun Verletzte und medizinische Hilfskräfte herauszubringen versuchen.