Parade der italienischen Alpini
Facebook/Comune di Rimini
Parade in Rimini

Missbrauchsvorwürfe gegen Veteranen

Eine große Parade der italienischen Alpini, der ältesten aktiven Gebirgsjägertruppe der Welt, am Wochenende in Rimini beschäftigt jetzt die Justiz. Zahlreiche Frauen sollen bei dem viertägigen Treffen, das rund 400.000 Personen in die Stadt an der Adria-Küste gelockt hatte, verbal und körperlich belästigt worden sein.

Über 150 Frauen beklagten auf der Facebook-Seite des Frauenverbandes „Non una di meno“ verbale und körperliche Belästigungen durch die Teilnehmer an der Parade. Vorfälle meldeten vor allem Frauen, die am Wochenende in Lokalen und Hotels der Badeortschaft arbeiteten, und auch einige Minderjährige.

Laut italienischen Medien wurden Frauen von betrunkenen Alpini dazu eingeladen, mit ihnen zu duschen oder aufs Zimmer zu gehen, wurden von ihnen begrapscht und mit Obszönitäten und Anzüglichkeiten aller Art bedacht. Eine Frau soll auch in ein Zelt gezogen worden sein, konnte aber flüchten, berichtete die Nachrichtenseite Südtirol News.

Organisation: 250 Frauen meldeten sich

Bei der Polizei wurde bisher die Anzeige einer 26-Jährigen eingereicht, die berichtete, in der Menschenmenge von drei Männern umringt und angegriffen worden zu sein. Dabei sei sie verbal beleidigt worden. Italienischen Medien zufolge bereitet „Non una di meno“ eine Sammelklage vor. „Mehr als 250 Personen haben uns geschrieben. 160 von ihnen haben uns die Vorfälle detailliert geschildert“, zitierte Südtirol News ein Statement der Organisation.

Einige der Frauen seien immer noch erschüttert von dem, was passiert sei, sagte Alice Carletti von „Non una di meno, Rimini“. „Viele von ihnen wollen nicht riskieren, während der Erstattung der Anzeige das erlittene Trauma ein zweites Mal zu erleben. Wir sollten ihnen Zeit geben, darüber nachzudenken“, so Carletti.

Verteidigungsminister fordert Aufklärung

Der italienische Verteidigungsminister Lorenzo Guerini zeigte sich empört und forderte eine Untersuchung. „Ich möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass diese Vorfälle den Werten der Alpini und einer Veranstaltung, die ein Fest der Solidarität und der Tradition ist, zuwiderlaufen“, sagte Guerini in einer Erklärung.

Der Abgeordnete Riccardo Magi von der liberalen Partei Piu Europa will eine parlamentarische Anfrage zu den Vorfällen einbringen. Von Innenministerin Luciana Lamorgese und Verteidigungsminister Guerini forderte er Ermittlungen und Maßnahmen, um Übergriffe künftig zu verhindern.

Alpini-Verband verurteilt Übergriffe

Auch der Alpini-Verband ANA verurteilte die Vorfälle und forderte Aufklärung. „Wir distanzieren uns von dem Verhalten einiger Personen, das nicht zu den Traditionen und Werten gehört, die wir immer hochgehalten haben, und verurteilen es“, so der Verband.

Rund 75.000 Alpini beteiligten sich an der Parade, die jährlich stattfindet, wegen der Pandemie jedoch zwei Jahre lang ausgefallen war. Die Alpini-Infanterie wurde im 19. Jahrhundert gegründet, um die nördlichen Grenzen Italiens zu verteidigen. Ihre Soldaten sind bei Paraden an ihren charakteristischen Hüten mit der schwarzen Feder zu erkennen.