Sonne scheint durch Jalousien
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Klima

Nächster Hitzesommer steht ins Haus

Die Hitze hat Österreich heuer früh erfasst, der Mai ist ungewöhnlich warm. Geht es nach den Prognosen, steht auch ein heißer Sommer ins Haus. Alles andere wäre eine Überraschung, denn der letzte kühle Sommer ist lange her. Angesichts der Klimakrise und stetig steigender Temperaturen stellt sich mittlerweile nicht mehr die Frage, ob, sondern nur, wie heiß die Sommer ausfallen.

Es kann ein trockener Hitzesommer werden. Die Saisonprognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) sprechen für Juni, Juli und August eine klare Sprache. In weiten Teilen Europas sollen die Temperaturen ein, zwei Grad über dem Mittel der Periode 1993 bis 2016 liegen.

Regnen dürfte es ebenfalls weniger als normal. Die möglichen Folgen dieses Szenarios für Europa kann man sich schon jetzt ausmalen: Waldbrände, Wasserknappheit und Hitzetote durch längere Hitzewellen.

Aktuelle Prognose: Fast überall zu warm

Die Treffsicherheit derartiger Langzeitprognosen ist zwar begrenzt und mit hoher Unsicherheit behaftet, anders als die klassische Wetterprognose für die nächsten Tage. Dennoch lassen die aktuellen Berechnungen angesichts des klaren Bildes auf einen heißen Sommer in vielen Regionen Europas schließen, und diesem Trend kann sich wohl auch Österreich nicht entziehen.

Klimaprognosekarte für Europa
ECMWF
Langfristige Prognose deutet auf Hitzeperiode im Sommer in weiten Teilen Europas

Die Wahrscheinlichkeit für einen überdurchschnittlich kühlen Sommer ist aber auch ohne Prognoserechnung relativ gering. Es ist wie Würfeln mit einem gezinkten Würfel, gezinkt durch den Faktor Klimawandel, der immer höhere Zahlen bzw. Temperaturen favorisiert. Denn in den letzten Jahren gab es fast nur sehr warme Sommer in Österreich.

Sommer werden immer wärmer

Den subjektiven Eindruck bestätigen auch die Zahlen. Das Klima ändert sich, und das rasant. 255 Jahre lang sind die Datenreihen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) – die wärmsten Sommer in Österreich lagen allesamt in der jüngeren Vergangenheit: Auf Platz eins finden sich gleichauf 2003 und 2019, gefolgt von 2015, dann folgen 2017 und 2018. Der letzte Sommer 2021 reihte sich auf Platz acht ein.

Ein Sommer, wie er in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts normal war, mit regelmäßigen Kaltlufteinbrüchen und Neuschnee auf den Bergen, käme wohl der heutigen Freizeitgesellschaft wie eine kleine Katastrophe vor. Kein Sommer in den letzten 30 Jahren war so kühl wie damals. Das Extrem wird schon lange als der neue Normalzustand empfunden.

Seit den 1990ern sind die Sommer in Österreich immer wärmer geworden, seit der Jahrtausendwende hat sich dieser Trend verstärkt. Die letzten zehn Sommer in Österreich waren schon knapp drei Grad wärmer als in den 1970er Jahren.

Menschengemachter Klimawandel

Der Grund für die starke Erwärmung ist der durch den Menschen verstärkte Treibhauseffekt. Der Mensch greift durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle aktiv in die Zusammensetzung der Atmosphäre ein, die Konzentration der Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) steigt kontinuierlich. Diese Gase hindern die Abstrahlung der Wärme in den Weltraum, vergleichbar mit einem Treibhaus. Als Folge heizt sich die Erde immer weiter auf.

Klimazonen haben sich schon verschoben

Knapp drei Grad Erwärmung innerhalb von 40 Jahren sind enorm viel. Klimazonen haben sich bereits verschoben bzw. sind um rund 300 Höhenmeter nach oben gewandert. Das bedeutet, der Sommer, wie er in den 1970er in der Stadt Wien war, findet sich heute auf dem Kahlenberg.

Der alte Sommer in Linz ist auf den Pöstlingberg „gewandert“. Und in Igls, 300 Meter oberhalb von Innsbruck, sind die Sommer nun so warm wie in den 1970er unten in der Stadt. In Innsbruck selbst sind die Sommer mittlerweile annähernd so warm wie in den 1970ern in Bozen in Südtirol. Kein Wunder also, dass der Apfel- und Weinanbau auch in Nordtirol zunimmt.

Vor 50 Jahren nur wenige heiße Tage

Noch in den 1970ern waren die Sommer völlig anders, Sommerfrische war damals nicht nur in den Bergen möglich. 30 Grad waren nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Im Jahr 1973 und 1978 hatte Graz keinen einzigen Hitzetag. 1975, als der niederländische Showmaster und Sänger Rudi Carrell seinen Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ veröffentlichte, blieb Wien den ganzen Sommer unter der 30-Grad-Marke – das letzte Mal bisher.

Die kühlen Sommer der 1970er und Anfang der 1980er Jahre machten sich auch bei den Gletschern bemerkbar, die vorübergehend wieder zu wachsen und vorzustoßen begannen. Seit damals ist eine extreme Zunahme an heißen Tagen zu beobachten, heute gibt es drei-, viermal so viele in den Landeshauptstädten wie in den 1970er Jahren. Und die Gletscher schmelzen schneller denn je.

Trend zur Erhitzung ungebrochen

Die Erwärmung hält so lange an, bis es gelingt, das Klima zu stabilisieren und die Nettoemissionen von Treibhausgasen auf null zu bringen. Die Temperaturen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter steigen, in Österreich und auf globaler Ebene, und damit wird auch Zahl der Hitzetage über 30 Grad weiter zunehmen.

Es ist auch nur eine Frage der Zeit, bis der österreichische Hitzerekord gebrochen wird. Dieser liegt bei 40,5 Grad, gemessen in Bad Deutsch-Altenburg vor mittlerweile neun Jahren, ein langer Zeitraum inmitten der Klimakrise. Ein neuer Höchstwert ist wohl nur eine Frage der Zeit.