Finnland und Schweden beantragen offiziell NATO-Beitritt

Unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges in der Ukraine haben Schweden und Finnland nach jahrzehntelanger Bündnisneutralität heute offiziell die Aufnahme in die NATO beantragt. Die beiden nordischen Länder reichten ihre Mitgliedsanträge gemeinsam im Brüsseler Hauptquartier der westlichen Militärallianz ein. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einem „historischen Moment“.

„Das ist ein guter Tag zu einem kritischen Zeitpunkt für unsere Sicherheit“, sagte Stoltenberg, als er die Beitrittsanträge von den Botschaftern Schwedens und Finnlands entgegennahm. Die beiden Länder seien bereits die „engsten Partner“ des Militärbündnisses, betonte er. „Ihre Mitgliedschaft in der NATO würde unsere gemeinsame Sicherheit erhöhen.“

„Die USA begrüßen die Entscheidung der finnischen und schwedischen Bevölkerung“, teilte NATO-Botschafterin Julianne Smith auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Washington habe mit beiden Ländern „enge Bindungen und ein geteiltes Engagement für Demokratie, Frieden und Stabilität“.

Erdogan fordert Auslieferung von „Terroristen“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erwartet unterdessen von der NATO mit Blick auf die geplante Aufnahme Finnlands und Schwedens mehr Verständnis bezüglich der Sicherheit seines Landes.

Vor allem Schweden müsse „Terroristen“ ausliefern, andernfalls könne die Türkei einem NATO-Beitritt des Landes nicht zustimmen. Derzeit sei es nicht erforderlich, dass schwedische und finnische Diplomaten deswegen in die Türkei reisten, fügte Erdogan heute hinzu.

Die Türkei droht mit einem Veto gegen die NATO-Norderweiterung. Erdogan wirft Finnland und Schweden vor, eine zu laxe Haltung gegenüber „Terrororganisationen“ wie der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu haben.