Erstes Urteil des Kosovo-Tribunals: Haftstrafen für Veteranenführer

Das Kosovo-Tribunal in Den Haag hat zwei Führer einer Veteranenorganisation wegen Einschüchterung von Zeugen zu jeweils viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Beide Männer hätten auch die Arbeit des Gerichts behindert und vertrauliche Dokumente veröffentlicht, urteilten die Richter des Sondergerichts heute.

Es ist das erste Urteil des Gerichts, das auf internationalen Druck 2015 errichtet worden war. Es soll Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg 1998–1999 verfolgen, die der damaligen albanischen Miliz Kosovo Befreiungsarmee angelastet werden.

Zeugeneinschüchterung

Hysni Gucati, Vorsitzender des Veteranenverbandes der Miliz der Kosovo-Albaner Kosovo Befreiungsarmee, und sein Stellvertreter Nasim Haradinaj hatten dem Urteil zufolge Hunderte Namen von Zeugen und möglichen Zeugen veröffentlicht und diese auch als „Verräter“, „Spione“ und „Kollaborateure“ beschimpft.

„Im Kontext des langandauernden Klimas von Zeugeneinschüchterung im Kosovo“ hätten sie damit die Zeugen von einer Aussage gegen frühere Mitglieder der Miliz abhalten wollen. Damit hätten sie auch die strafrechtliche Verfolgung behindert. Beide Männer hatten ihre Unschuld beteuert.

10.000 Todesopfer

In dem Krieg hatten Kosovo-Albaner für die Unabhängigkeit von Serbien gekämpft. Mehr als 10.000 Menschen, vorwiegend Albanerinnen und Albaner, waren getötet worden. Etwa eine Million Menschen wurden vertrieben.

Erst nach Luftangriffen der NATO hatte Serbien sich zurückgezogen. Der Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit. Verbrechen serbischer Politiker und Militärs waren vom UNO-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien in Den Haag verfolgt worden.