Ukraine rechnet mit russischer Offensive

Die Ukraine rechnet nach dem Fall der Hafenstadt Mariupol im Süden des Landes mit einer russischen Offensive im Osten. Aus der Region Donbas meldeten die Behörden gestern heftige Gefechte bzw. russische Angriffe.

Das ukrainische Militär erklärte, neun Vorstöße seien in der Region Luhansk abgewehrt worden. Die ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk stehe seit Tagen unter Beschuss, berichtete der ukrainische Militärgouverneur des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj. „Die Russen löschen Sjewjerodonezk wie Mariupol aus.“

Er wies zugleich Aussagen von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu, kurz vor der kompletten Einnahme der Region Luhansk zu stehen, als „Unsinn“ zurück. Schoigu habe keinen Überblick mehr über die Lage seiner eigenen Streitkräfte.

Schicksal von Gefangenen aus Mariupol unklar

Das russische Verteidigungsministerium teilte zuvor mit, dass die letzten ukrainischen Kämpfer im Asow-Stahl-Werk in Mariupol sich ergeben hätten. Damit sei die Stadt komplett unter russischer Kontrolle, hieß es. Laut dem ukrainischen Generalstab räumten die russischen Truppen Minen, um den Hafen wieder betriebsfähig zu machen.

Das Schicksal der Kriegsgefangenen aus dem Asow-Stahl-Werk ist ungewiss. Russland spricht von etwa 2.000 Personen, die sich ergeben hätten, das Rote Kreuz von mehreren hundert. Viele sollen in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand sein. Im Raum steht ein Gefangenenaustausch, dem soll allerdings Russland noch nicht zugestimmt haben. Laut dem russischen Außenpolitiker Leonid Sluzki ist ein möglicher Austausch ukrainischer Kämpfer gegen den prorussischen Politiker Viktor Medwedtschuk im Gespräch.

Russland will Waffenlieferung zerstört haben

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, ukrainische Ziele von Schiffen im Schwarzen Meer aus mit Raketen beschossen zu haben. So seien in der Region Schytomyr aus Europa und den USA gelieferte Waffen mit Marschflugkörpern des Typs Kalibr zerstört worden, hieß es aus Moskau. Außerdem sei ein Militärtrainingslager unweit der Hafenstadt Odessa mit Raketen und Artillerie angegriffen worden.

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