Schriftsteller Joseph Zoderer ist tot

Der Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Wie die Tageszeitung „Alto Adige“ in ihrer Onlineausgabe berichtet, war er in seinem Haus auf einer Treppe gestürzt und in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er verstarb. Sein Oeuvre umfasste Erzähl- und Gedichtbände sowie zehn Romane.

Der Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer
APA/Haymon Verlag/Max Lautenschlager

Geboren wurde Zoderer am 25. November 1935 in Meran. Als er vier Jahre alt war, optierten seine Eltern für „Großdeutschland“ und übersiedelten nach Graz. Dort ging er in die Schule. Nach dem Krieg wurde er in ein Schweizer Gymnasium geschickt, von wo er später den nach Südtirol zurückgekehrten Eltern nachfolgte.

Nach der Matura studierte er in Wien Jus, Philosophie, Theaterwissenschaften und Psychologie, wurde Journalist und unternahm ausgedehnte Reisen in die USA, nach Kanada und Mexiko. „Ich habe damals nicht gedacht, dass ich nach Südtirol zurückkehre“, sagte Zoderer in einem Interview anlässlich seines 85. Geburtstags.

Durchbruch mit „Die Walsche“

Seine Bücher beschäftigten sich immer wieder mit dem Hinterfragen von Zugehörigkeiten und Zuschreibungen, stellen Identitätskonflikte in den Mittelpunkt. Dass Zoderer, der sich weniger als Südtiroler Schriftsteller definierte denn als österreichisch geprägter deutschsprachiger Autor mit italienischem Pass, immer stark mit „Südtirol-Themen“ in Verbindung gebracht wurde, hatte vor allem mit seinem fulminanten Einstieg in die literarische Welt zu tun – mit dem 1982 erschienenen Roman „Die Walsche“.

Der Roman über eine Südtiroler Bauerntochter, die im Arbeiterviertel der Stadt mit ihrem italienischen Lebensgefährten eine Cafe-Bar betreibt und zum Begräbnis ihres Vaters in ihren Heimatort zurückkehrt, wurde weniger über seine universellen Themen der Entfremdung und Diskriminierung als über den dabei auch beschriebenen ethnischen Konflikt diskutiert.

Zu den weiteren bekannten Werken gehören der 2005 erschienene Erzählband „Der Himmel über Meran“ und der 2002 erschienene Roman „Der Schmerz der Gewöhnung“, den er als sein wichtigstes Buch bezeichnete. Seit 2015 erscheint im Haymon Verlag eine mit Materialien ergänzte Werkausgabe.