Auf der National Mall in der US-Hauptstadt stellten Aktivistinnen und Aktivisten mehr als 45.000 Vasen mit Blumen auf – je eine für jeden Menschen, der seit 2020 in den USA durch Waffengewalt starb. Im ganzen Land gab es Protestaktionen in etwa 300 Städten, unter anderem in Florida und New York. In New York City nahmen Tausende Menschen am Protestzug teil. Im Stadtteil Brooklyn erinnerten weiße Kreuze an die beim Schulmassaker im texanischen Uvalde getöteten Kinder.
„Ich schließe mich Ihnen an, um meinen Aufruf an den Kongress zu wiederholen, etwas zu unternehmen“, schrieb US-Präsident Joe Biden auf Twitter, um die Proteste zu unterstützen. Dazu aufgerufen hatte die Initiative „March for Our Lives“ („Marsch für unsere Leben“), die von Hinterbliebenen und Überlebenden eines Amoklaufs in Florida 2018 gegründet worden war. An einer ihrer Protestaktionen für schärfere Waffengesetze nahmen im März 2018 in Washington Hunderttausende Menschen teil.

„Wir sind hier, um Gerechtigkeit zu fordern“
Mehr als vier Jahre später äußerten sich am Samstag viele Rednerinnen und Redner frustriert darüber, dass die Proteste bislang kaum Ergebnisse gebracht haben. „Genug ist genug“, sagten etwa die Parkland-Überlebende X Gonzalez und die Enkelin von Martin Luther King Jr., Yolanda King. „Wir sind hier, um Gerechtigkeit zu fordern“, sagte Garnell Whitfield, dessen 86-jährige Mutter bei dem Angriff in Buffalo getötet wurde. „Wir sind hier, um denjenigen beizustehen, die mutig genug sind, vernünftige Waffengesetze zu fordern.“
USA: Proteste für schärferes Waffengesetz
In den USA haben drei Wochen nach dem Amoklauf an einer texanischen Volksschule Menschen in rund 300 Städten für strengere Waffengesetze demonstriert.
Bei der Kundgebung in Washington sprach auch Manuel Oliver, der seinen Sohn bei dem Massaker in Parkland verloren hatte. Oliver rief Schüler dazu auf, dem Unterricht fernzubleiben, um den Druck auf die Politik zu erhöhen, strengere Waffengesetze zu verabschieden. „Wir rufen auf zu einem landesweiten Streik amerikanischer Schüler aller Bildungsstufen“, sagte er. Von US-Präsident Biden forderte Oliver, im Weißen Haus ein Büro für die Prävention von Waffengewalt zu schaffen.

In den USA hatte es in den vergangenen Wochen eine Serie besonders blutiger Schusswaffenangriffe gegeben. Mitte Mai erschoss ein 18-Jähriger an einer Grundschule der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen. Zehn Tage zuvor hatte ein 18-Jähriger in und vor einem Supermarkt in Buffalo im Bundesstaat New York aus rassistischen Motiven mit einem Sturmgewehr zehn Menschen erschossen, fast alle Opfer waren Schwarze.
Verhandlungen über Waffenrechtsreform
Eine parteiübergreifende Gruppe von Senatoren verhandelt derzeit unter der Leitung des Demokraten Chris Murphy über eine Waffenrechtsreform. In der Vergangenheit hatten die konservativen Republikaner Verschärfungen des laxen US-Waffenrechts immer wieder verhindert. „Der Wille des amerikanischen Volkes wird von einer Minderheit untergraben“, sagte die 63-jährige Demonstrantin Cynthia Martins mit Blick auf die Republikaner.

US-Präsident Biden hatte angesichts der jahrelangen Blockade kürzlich ein Kompromissangebot gemacht: „Wenn wir schon nicht das eigentlich nötige Verbot von Sturmgewehren erreichen, müssen wir zumindest das Mindestalter für ihren Kauf auf 21 Jahre erhöhen.“