4Gamechangers: Schwierigere Zeiten für Start-ups

Der starke Kurseinbruch bei Technologieaktien und die Zinswende haben den Risikoappetit von Start-up-Investoren in den vergangenen Monaten deutlich gedämpft. „Diese Bewertungskorrektur ist nicht schlecht“, sagte der Wiener Business Angel Johannes Hansmann heute am ersten Tag des 4Gamechangers Festival von ProSiebenSat.1Puls4 und ORF. „Das internationale Kapital ist sehr vorsichtig“, so der Gründer des Wiener Frühphasenfinanzierers Speedinvest, Oliver Holle.

In den vergangenen Jahren hatten Start-ups in den USA und Europa in Zeiten der Niedrigzinsphase viel Geld von Investoren erhalten. Mitunter wurden milliardenschwere Rekordbewertungen erzielt. In Österreich erreichten die Kryptoplattform Bitpanda und das Onlinenachhilfeportal GoStudent im Vorjahr als erste Start-ups den Unicorn-Status und wurden im Zuge einer Finanzierungsrunde mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

Eine „Delle“

Hansmann und Holle erwarten eine längere Durststrecke für Start-ups, die größere Finanzierungsrunden benötigen. Holle berichtete von einem „massiven Einbruch“ bei der Wachstumsfinanzierung durch internationale Kapitalgeber. „Es wird eine große und schwere Delle geben“, so Hansmann. In den nächsten ein bis zwei Jahren sei „kaum mit Börsengängen“ von Start-ups zu rechnen, und das habe Auswirkungen auf kleine bis große Finanzierungsrunden. „Die richtig guten Firmen werden aber auch in der Krise Geld kriegen“, sagt der Investor, der unter anderem an den österreichischen Vorzeige-Start-ups Runtastic, Shpock und mySugr beteiligt war.

Weitere Themen am ersten Tag des 4Gamechangers Festival waren etwa die Auswirkungen des Ukraine-Krieges, Finanzmärkte und Digitalisierung. Die Coronavirus-Pandemie habe „die Chancen und Defizite in der Digitalisierung vor Augen geführt“, sagte der für Digitalthemen zuständige Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) in einer Videobotschaft. Seit der letzten Regierungsumbildung gibt es mit Florian Tursky (ÖVP) nun einen Staatssekretär für Digitalisierung und Breitband, der im Finanzministerium angesiedelt ist. In den nächsten Jahren werde man die digitale Verwaltung und die Breitbandinfrastruktur ausbauen und die digitale Kompetenz der Bevölkerung erhöhen, so Brunner.

Schritt zu Medienkooperation

Mit in Wien stattfindenden Digital- und Medienfestival 4Gamechangers setzen die Medienhäuser ProSiebenSat.1Puls4 und ORF einen Schritt in Richtung Kooperation.

Erstmals ist der ORF als gleichberechtigter Partner mit an Bord, hatten P7S1P4-Geschäftsführer Markus Breitenecker und ORF-Chef Roland Weißmann bei einem Pressegespräch gestern Abend betont. Medienpolitische Verhandlungen würden aber dennoch inhaltlich hart geführt. Tendenziell gehe es aber in Richtung Kooperation statt Konkurrenz, jedenfalls nicht darum, dem anderen zu schaden.

Markus Breitenecker (CEO ProSiebenSat.1, Puls 4-Österreich) und ORF-Generaldirektor Roland Weißmann
ORF/Klaus Titzer

Von Selenskyj bis Clooney

Das 4Gamechangers-Festival wartet bis Donnerstag mit zahlreichen Gästen und Diskussionen auf, wobei die Inhalte und Moderationen gleichermaßen von P7S1P4 und ORF erarbeitet wurden. Highlight ist wohl der Abschlusstag, der entgegen den ersten beiden Tagen nicht ausschließlich via TV oder Livestream auf Puls 24 und ORF verfolgt werden kann, sondern auch live in der Wiener Marx Halle zu sehen ist.

Christian Wehrschütz auf einer Videowall
ORF/Klaus Titzer

Mit von der Partie soll hier etwa der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sein, der per Liveschaltung mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) über die Situation des vom Angriffskrieg Russlands gebeutelten Landes spricht. Hollywood-Star George Clooney ist ebenfalls am Donnerstag eingeplant – live vor Ort. Er spricht zur Zukunft der Menschenrechte, die ihm auch als Aktivist ein Anliegen sind. Im Zuge des Festivals werden auch Spenden für Nachbar in Not gesammelt.