Hubschrauber über dem Marmolata-Gletscher
APA/AFP/Pierre Teyssot
Dolomiten

Noch fünf Vermisste nach Gletscherbruch

Nach der tödlichen Gletscherlawine in den Dolomiten suchen die italienischen Rettungskräfte weiter nach Vermissten. Ihre Zahl hat sich inzwischen auf fünf verringert, nachdem einige als vermisst gemeldete Personen kontaktiert werden konnten. So setzten sich vier gesuchte Tschechen mit den Rettungseinheiten in Kontakt, auch weitere drei vermisste italienische Alpinisten befanden sich nicht am Unglücksort und sind wohlauf.

Sieben Todesopfer und acht Verletzte lautet die vorläufige Bilanz des Unglücks. Von den Toten wurden bisher drei Italiener aus der norditalienischen Provinz Vicenza identifiziert, darunter ein 52-jähriger Bergführer. Er soll eine der beiden Seilschaften geführt haben, die dann verschüttet wurden. Die Wahrscheinlichkeit, die Vermissten noch retten zu können, sei äußerst gering, berichteten Rettungseinheiten. „Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, noch jemanden lebend zu finden“, sagte Fausto Zambelli, Sprecher der Feuerwehr.

Acht Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, sieben befinden sich noch im Krankenhaus. Ein Patient konnte bereits entlassen werden, wie die Provinz Trient, in der der Berg Marmolata liegt, an dem sich am Sonntag der Gletscherabbruch ereignete, mitteilte. Auch den beiden verletzten Deutschen geht es besser. Ihr Gesundheitszustand stabilisiere sich, hieß es Dienstagabend. Ein Verletzter, der mit schweren Frakturen im Krankenhaus von Treviso liegt, konnte inzwischen identifiziert werden. Dabei handelt es sich um einen 30-Jährigen aus der Region Venetien, der von seinen Eltern gesucht wurde.

Marmolada vor dem Bruch der Eisplatte
Marmolada nach dem Bruch der Eisplatte
Getty Images/iStockphoto/Patrikstedrak APA/AFP/Pierre Teyssot

Drohnen bei Suche im Einsatz

Mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen, die auch im Dunkeln eine Person aufspüren können, durchkämmten die Rettungseinheiten den Marmolata-Gletscher auf der Suche nach den fünf Vermissten – alle Italiener. Dabei wurden einige Leichenstücke entdeckt. Auch Bergausrüstung und Kleidungsstücke wurden an dem Unglücksort gefunden. Unklar sei jedoch, ob es sich tatsächlich um Gegenstände der Opfer handle, berichtete ein Mitglied der Helikoptereinheit des Trentinos.

Die Suche wird in den nächsten Tagen in der gleichen Weise fortgesetzt, da die Gefahr weiterer Gletscherbrüche den Einsatz vom Boden aus unmöglich macht. „Wir setzen die Suchaktion mit Drohnen und Hubschraubern fort, um das Leben der Rettungseinheiten nicht aufs Spiel zu setzen. Wir können das Leben von Menschen nicht gefährden“, sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Hubschrauber über dem Marmolata-Gletscher
Reuters/Guglielmo Mangiapane
Suchaktionen sind nur aus der Luft aus möglich

„Die Suche muss weitergehen. In den nächsten Tagen werden wir weiterhin mit Drohnen arbeiten. Wir überwachen den Hang Tag und Nacht. Wir können nicht mehr graben, die Schneemasse hat sich so sehr verfestigt, dass man sie nicht einmal mehr mit einer Spitzhacke durchschneiden kann“, erklärte der Präsident des Nationalen Alpenrettungskorps, Maurizio Dell’Antonio.

Schaulustige trotz Verbots unterwegs

Der Zugang zur Marmolata-Spitze ist Touristen und Touristinnen verboten, wie der Bürgermeister der Ortschaft Canazei, Giovanni Bernard, mitteilte. Die Seilbahn, die Touristen auf die Spitze Punta Rocca auf 3.265 Meter führte, wurde stillgelegt. Diese führte Touristen vom Berghang in der Provinz Belluno in zwölf Minuten auf die Bergspitze. Trotz des Verbots seien am Dienstag Bergsteiger unterwegs gewesen, darunter Schaulustige, die den Unglücksort sehen wollten. Wegen der Gefahr weiterer Schneeeinbrüche sei das durchaus gefährlich, warnten die Behörden. „Der Berg wird lang nicht mehr zugänglich sein“, betonte Zambelli.

„Tragödie des Klimawandels“

Auf Erdrutsche spezialisierte Techniker erklimmen die Marmolata, um Radare zu installieren, die in der Lage sind, sehr schnelle Bewegungen, wie die von Lawinen, und langsamere, wie von Erdrutschen, zu erkennen. Die Spezialisten werden von Nicola Casagli, Professor für angewandte Geologie an der Universität Florenz, angeleitet. Laut Casagli ist die Katastrophe „auf den anomalen Temperaturanstieg zurückzuführen, ein Ereignis, das nicht jeden Tag eintritt und nicht leicht vorherzusagen ist“.

Der italienische Staatschef Sergio Mattarella bezeichnete den Gletscherbruch als „Tragödie des Klimawandels“. „Es gibt Länder, die sich gegen den Klimawandel nicht engagieren. Jeder muss mehr Verantwortung übernehmen.“