Nach dem Antisemitismuseklat bei der documenta hat die Generaldirektorin der Ausstellung, Sabine Schormann, ihr Amt niedergelegt. Aufsichtsrat und Gesellschafter verständigten sich mit ihr, den Dienstvertrag kurzfristig aufzulösen, wie das Kontrollgremium gestern in Kassel mitteilte. Es werde zunächst eine Interimsnachfolge angestrebt.

Das Gremium um den Vorsitzenden, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und seine Stellvertreterin, Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne), zog damit die Konsequenz aus einem Eklat auf der diesjährigen Schau.
Werk mit antisemitischer Bildsprache
Ein Werk mit antisemitischer Bildsprache war nach einer Welle der Empörung nur wenige Tage nach dem Beginn der Weltkunstausstellung abgebaut worden. Schon Monate zuvor hatte es Antisemitismusvorwürfe gegen das kuratierende Künstlerkollektiv Ruangrupa aus Indonesien gegeben.
Der Aufsichtsrat distanzierte sich deutlich von dem Werk: „Die Präsentation des Banners ‚People’s Justice‘ des Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache war eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt.“ Der Vorfall müsse zeitnah aufgeklärt werden.
Viel Kritik an Schormann
In den vergangenen Wochen waren immer wieder Rücktrittsforderungen gegen die 60-jährige Schormann erhoben worden. Ihr wurde unter anderem Untätigkeit bei der Aufarbeitung des Skandals vorgeworfen.
Zuletzt hatte sich der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, als Berater der documenta zurückgezogen. Er hatte eigentlich Teil einer Expertenkommission sein sollen, die die verbliebenen Werke der documenta auf weitere antisemitische Inhalte prüfen sollte. Er warf Schormann aber Untätigkeit vor. In der Folge erklärte mit Hito Steyerl eine der international wichtigsten Künstlerinnen, ihre Werke von der documenta abzuziehen.