Wirbel um angeblichen Einfluss Moskaus in Italiens Regierung

Berichte italienischer Medien nähren Gerüchte über Versuche Russlands, sich in die politischen Angelegenheiten der italienischen Regierung einzumischen, um sie zu destabilisieren. Die Tageszeitung „La Stampa“ schrieb heute über Kontakte zwischen dem Berater für internationale Beziehungen des Lega-Vorsitzenden Matteo Salvini, Antonio Capuano, und Oleg Kostjukow, einem hochrangigen Beamten der russischen Botschaft in Rom.

„La Stampa“ berichtete aufgrund von Auszügen aus Geheimdienstdokumenten über Gespräche zwischen Capuano und dem Moskauer Beamten zwei Monate vor dem Sturz der Regierung von Premier Mario Draghi, und zwar zu einem Zeitpunkt, als Salvinis Lega und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung gegen die Lieferung neuer Waffen in die Ukraine argumentierten. Der Diplomat soll Salvini gefragt haben, ob die drei Minister der Lega die Absicht hätten, aus der Regierung auszutreten.

Kostjukow hatte im Mai eine Reise Salvinis nach Moskau organisiert, bei der sich der Ex-Innenminister und Lega-Chef für Friedensgespräche im Ukraine-Konflikt engagieren wollte. Wegen kritischer Reaktionen in der stark ukrainefreundlichen Regierung Draghi hatte Salvini auf seine umstrittene Moskau-Reise verzichten müssen. „La Stampa“ berichtete auch von einem Treffen Salvinis mit dem russischen Botschafter in Rom, Sergej Razow, am 19. Mai, bei dem auch über eine mögliche Reise von Papst Franziskus nach Russland gesprochen wurde.

Salvini: Kontakte nach Russland sind „Fake News“

Italienische Medien haben zuletzt immer wieder über eine mögliche Einmischung Moskaus in die Regierungskrise in Rom spekuliert, die vor einer Woche zum Rücktritt von Premier Draghi geführt hatte. Der Bericht der Turiner Tageszeitung löste hitzige Reaktionen in Rom aus. Salvini bezeichnete die Berichte über seine Kontakte zur russischen Botschaft in Rom als „Fake News“. „Wir stehen zum Westen und zur Demokratie“, sagte der Lega-Chef heute vor Journalisten in Rom.