Irak: Regierungspalast nach Rückzug von Schiitenführer gestürmt

Der mächtige irakische Schiitenanführer und Geistliche Moktada al-Sadr hat seinen vollständigen Rückzug aus der Politik angekündigt.

Nach Sadrs Rückzugsankündigung stürmten Dutzende seiner Anhänger den Palast der Republik in Bagdad. Tausende weitere wütende Sadr-Anhänger machten sich auf in Richtung der besonders strikt gesicherten Grünen Zone in der irakischen Hauptstadt, in der Regierungsgebäude und Botschaften liegen. Die Armee verhängte eine Ausgangssperre, sie gilt seit 15.30 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr MESZ).

Moktada Sadr hält Rede
Reuters/Alaa Al-Marjani

Sadr begründete seinen Rückzug heute auf Twitter mit dem politischen Stillstand in dem Golfstaat, der seit der Parlamentswahl im vergangenen Oktober über keine vollständig funktionierende Regierung verfügt. Den mit ihm rivalisierenden führenden schiitischen Politikern warf er vor, seine Aufrufe zu Reformen ignoriert zu haben.

Sadr kündigte an, seine politischen Büros zu schließen, einige seiner religiösen und kulturellen Einrichtungen würden aber geöffnet bleiben. Seine Partei hatte die Wahl im Oktober gewonnen. Es gelang ihm jedoch nicht, eine Regierung unter Ausschluss seiner vom Iran unterstützten schiitischen Rivalen zu bilden.