Asteroid Dimorphos
Reuters/NASA
Mit Sonde

NASA „beschoss“ absichtlich Asteroiden

In einem lange vorbereiteten Weltraumrettungsexperiment hat die US-Raumfahrtbehörde NASA in der Nacht auf Dienstag erstmals eine Sonde absichtlich mit einem Asteroiden kollidieren lassen. Dadurch sollte getestet werden, ob es möglich ist, die Flugbahn eines Asteroiden auf diese Weise zu ändern.

Die Bedrohung der Erde durch einen Asteroiden wurde bereits in Hollywood-Filmen wie „Armageddon“ thematisiert. Abseits der Fiktion wissen Astronomen derzeit von keinem bedrohlichen Asteroiden. Dennoch möchte die NASA vorbereitet sein. „Wir brechen jetzt in eine neue Ära der Menschheit auf, in der wir die Möglichkeit haben könnten, uns gegen den Einschlag eines Asteroiden zu schützen“, sagte NASA-Managerin Lori Glaze nach der gelungenen Mission.

Auf den von der Kamera der Sonde zur Erde übertragenen Bildern wurde der Asteroid Dimorphos erst rund eine Stunde vor dem Einschlag als heller Punkt sichtbar, wurde dann immer größer und war schließlich mit Oberflächendetails und Schattierungen zu sehen – bis die Kamera beim Einschlag zerstört wurde und das Bild eine rote Störung anzeigte.

NASA „beschoss“ absichtlich Asteroiden

In einem lange vorbereiten Weltraumrettungsexperiment hat die US-Raumfahrtbehörde NASA in der Nacht auf Dienstag erstmals eine Sonde absichtlich mit einem Asteroiden kollidieren lassen. Dadurch sollte getestet werden, ob es möglich ist, die Flugbahn eines Asteroiden auf diese Weise zu ändern.

Im NASA-Kontrollzentrum herrschte Erleichterung. Die mit 6,6 Kilometern pro Sekunde fliegende Sonde war in den letzten Minuten im Autopilot unterwegs, und es war nicht ganz klar, ob sie den Asteroiden auch wirklich treffen würde.

Ablenkung statt Zerstörung

Bei der 325 Millionen Dollar teuren DART-Mission (Double Asteroid Redirection Test) stand für die NASA die „zukünftige Sicherheit der Erde“ auf dem Spiel. Es sei das erste Mal, dass mit einem direkten Experiment ein gefährliches Objekt aus dem Weg gestoßen wurde, sagte NASA-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen im Vorfeld. Die DART-Sonde war vergangenen November mit einer „Falcon 9“-Rakete aus dem US-Bundesstaat Kalifornien gestartet.

Asteroid Dimorphos
Reuters/NASA
Der Asteroid Dimorphos wenige Sekunden vor dem Aufprall der Sonde

Durch den Aufprall mit knapp 23.000 Stundenkilometern sollte die Flugbahn des Asteroidenmondes Dimorphos um den Asteroiden Didymos leicht verändert werden. Es gehe um die Ablenkung eines Asteroiden und nicht um seine Zerstörung, sagte die Leiterin des Missionsteams, Nancy Chabot. Ob sich durch die Kollision tatsächlich die rund zwölfstündige Umlaufbahn verändert, wird in nachfolgenden Untersuchungen geklärt.

Experiment ohne Gefahr

Bei dem Experiment bestand keine Gefahr. Dimorphos mit einem Durchmesser von rund 160 Metern und der mit 780 Metern größere Asteroid Didymos, der von Dimorphos umkreist wird, waren mindestens rund elf Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Hätte das Raumfahrzeug den Asteroidenmond verfehlt, hätte das Raumfahrzeug noch ausreichend Treibstoff gehabt für einen zweiten Versuch in zwei Jahren.

Illustration des DART-Raumschiffs vor einem Asteroiden
APA/AFP/Jim Watson
Die NASA wollte mit dem Weltraumrettungsexperiment auf mögliche für die Erde gefährliche Asteroiden vorbereitet sein

Die DART-Mission wurde von Teleskopen auf der Erde sowie vom James-Webb-Weltraumteleskop und auch von Kameras an Ort und Stelle begleitet. Das eigene Kamerasystem der Sonde sendete Bilder von Dimorphos zur Erde bis zum Aufprall. Danach sollte ein Satellit in der Größe eines Toasters übernehmen, der vor einigen Wochen von der DART-Sonde abgedockt war, an der Kollisionsstelle vorbeifliegen und Nahaufnahmen liefern. Bis die Bilder die Erde erreichen, werden aber noch einige Wochen oder Monate vergehen. Dann wird auch erst sicher feststehen, ob sich die Umlaufbahn tatsächlich verändert hat.

27.000 Asteroiden in Erdnähe

2024 wird die Europäische Weltraumorganisation (ESA) die Sonde Hera auf eine zweijährige Reise schicken, um den Ort der Kollision und die Oberfläche von Dimorphos genauer zu untersuchen. Für die kommenden 100 Jahre sehen Wissenschaftler keinen für die Erde bedrohlichen Asteroiden. Wenn man lang genug warte, werde es ein Objekt geben, meinte Zurbuchen. Die Wissenschaft identifizierte rund 27.000 Asteroiden in der Nähe der Erde, rund 10.000 von ihnen haben einen Durchmesser von mehr als 140 Metern.

Vorgekommen ist ein Asteroideneinschlag bereits. Vor 66 Millionen Jahren schlug im heutigen Mexiko der rund zehn Kilometer große Chicxulub-Asteroid ein, der für einen Dauerwinter sorgte und mit dem Aussterben der Dinosaurier in Verbindung gebracht wird.